Liegen alte Digicam-Fotos auf Speicherkarten, Festplatten und in verschiedenen Ordnern, hilft ein Fotoverwaltungsprogramm beim Sortieren und Wiederfinden. Es ordnet Bilder nach Datum, speichert Schlagwörter und findet ähnliche Dateien. Legen Sie zuerst Kopien an, damit Ihre Sammlung nicht von einem einzelnen Programm oder einer Festplatte abhängt.
Viele Digicam-Dateien enthalten EXIF-Daten. Das sind Angaben, die zusammen mit dem Foto gespeichert werden, etwa Aufnahmezeit und Kameramodell. Diese Angaben erleichtern das Sortieren, fehlen aber manchmal oder sind falsch. Prüfen Sie wichtige Datumsangaben, bevor Sie Dateien automatisch umbenennen.
Erst kopieren, dann ordnen
Legen Sie zunächst alle Fotos an einem zentralen Ort zusammen und erstellen Sie eine zweite Kopie. Ändern Sie erst danach Namen oder Metadaten. Löschen Sie Dateien ebenfalls erst nach dem Kopieren. Die US-amerikanischen National Archives empfehlen für Familienfotos drei Kopien auf zwei unterschiedlichen Speichermedien, davon eine an einem anderen Ort. Behalten Sie auch die unveränderten Originaldateien.
Wenn Sie Bilder direkt von einer Kamera übertragen, öffnen Sie einige der kopierten Dateien und prüfen Sie, ob die Übertragung geklappt hat. Löschen Sie Fotos erst dann von der Speicherkarte oder Kamera. Das ist besonders wichtig, wenn die Kamera gelöschte Aufnahmen nicht wiederherstellen kann.
Ordner nach Jahr und Ereignis
Ein übersichtliches Grundgerüst funktioniert auch ohne Fotoverwaltungsprogramm. Zum Beispiel:
Digicam-Archiv/
2004/
2004-07-03_Paris/
2004-12-25_Weihnachten/
2005/
2005-08-14_Sommerfest/
Datum-unbekannt/
Die Ordnernamen sind eine Vorlage, kein Archivstandard. Verwenden Sie ein genaues Datum nur, wenn es bekannt ist. Wenn Sie den Monat oder das Jahr lediglich aus der Erinnerung ableiten, kennzeichnen Sie die Angabe als ungefähr oder legen Sie das Bild unter „Datum-unbekannt“ ab.
Verlassen Sie sich beim Zusammenführen mehrerer Karten nicht allein auf die ursprünglichen Dateinamen. Kameras können Namen nach dem Löschen von Bildern erneut verwenden. Bewahren Sie die Dateien zunächst unverändert auf und sortieren Sie sie in Ordnern oder mithilfe eines digitalen Katalogs, der die Fotos erfasst. Falls Sie später umbenennen, sollten die neuen Namen nur Angaben enthalten, die Sie tatsächlich kennen.
Welches Programm passt?
Für ein umfangreiches Archiv mit Schlagwörtern zu Personen und anderen Themen ist digiKam eine passende Wahl. Das Programm kann Bilder von Kameras, Speicherkarten und Ordnern importieren. Es verwaltet Alben und Tags, findet ähnliche Bilder und kann Datumsordner anlegen, sofern die Dateien verwertbare Aufnahmedaten enthalten. digiKam gibt es für Linux, Windows und macOS.
Lightroom Classic passt, wenn Sie bereits mit dem Adobe-Fotoworkflow arbeiten. Es unterstützt verschachtelte Schlagwörter und Schlagwort-Sets. Seine Funktion zum Finden von Duplikaten sucht nach Dateien mit identischem Bildinhalt, auch wenn Dateiname oder Metadaten abweichen.
darktable bietet eine weitere Möglichkeit, Schlagwörter hierarchisch zu verwalten. Die Tags liegen sowohl in der Programmdatenbank als auch in XMP-Sidecars, zusätzlichen Dateien, die Metadaten neben dem Foto speichern. Prüfen Sie die aktuelle Dokumentation und Bedienoberfläche, bevor Sie einen größeren Bestand damit organisieren.
ExifTool eignet sich für gezielte Metadatenarbeit oder eine technische Bestandsaufnahme. Das Werkzeug wird über die Kommandozeile bedient und kann Angaben aus vielen Dateitypen lesen und schreiben. Beim Schreiben legt es standardmäßig eine Sicherung mit dem Zusatz _original an. Testen Sie Änderungen trotzdem zuerst an einer Kopie und kontrollieren Sie die bearbeiteten Dateien, bevor Sie Sicherungen entfernen.
Google Fotos bietet Suche nach Personen, Orten und Bildinhalten sowie Zugriff über einen Cloud-Dienst. Dafür müssen Sie die Fotos hochladen; die Suche nach Personen setzt aktivierte Gesichtgruppen voraus. Cloud-Speicherung ersetzt kein separates Backup. Falls Ihnen diese Punkte wichtig sind, prüfen Sie vor der Nutzung den Datenschutz und die Möglichkeiten für einen langfristigen Export. Klären Sie außerdem, ob Metadaten vollständig übertragen werden.
Schlagwörter wiederverwenden
Mit wenigen wiederkehrenden Begriffen finden Sie Bilder später leichter. Legen Sie zum Beispiel Kategorien für Personen und Orte an. Erfassen Sie Ereignisse und Motive ebenfalls in Kategorien. Ein Bild vom Familienurlaub könnte die Tags „Familie“, „Paris“, „Urlaub“ und „Museum“ erhalten, sofern die Angaben stimmen. Wenn Sie sich bei einer Person nicht sicher sind, verwenden Sie zunächst eine neutrale Bezeichnung.
digiKam kann Schlagwörter in einer Hierarchie ordnen, also Ober- und Unterbegriffe verwalten, und sie in Textdateien importieren oder exportieren. Lightroom Classic unterstützt verschachtelte Schlagwörter. Bei digiKam lassen sich Tags laut Dokumentation auch in JPEG-Metadaten schreiben; außerdem unterstützt das Programm XMP-Sidecars. Prüfen Sie trotzdem, welche Angaben tatsächlich in den Bilddateien oder Sidecars landen. Programmdatenbanken können zusätzliche Informationen enthalten, etwa Albumzuordnungen oder Dateipfade.
Dubletten und Gesichtserkennung prüfen
Löschen Sie vermeintliche Duplikate nicht automatisch. Lightroom Classic gruppiert Dateien mit identischem Bildinhalt. digiKam kann auch nach ähnlichen Bildern suchen. Ähnliche Aufnahmen sind aber nicht zwingend überflüssig: Eine Bildserie kann mehrere leicht unterschiedliche Momente enthalten, und bearbeitete Fassungen können neben dem Original wichtig sein. Sehen Sie Treffer in voller Größe durch und vergleichen Sie bei Bedarf Dateigröße und Metadaten.
Auch die Gesichtserkennung braucht eine Sichtkontrolle. digiKam verlangt, erkannte Gesichter Personen zuzuordnen, und warnt vor falschen Zuordnungen. Google Fotos weist ebenfalls darauf hin, dass Gruppen von Fotos, die einer Person zugeordnet werden, Fehler enthalten können. Bestätigen Sie Vorschläge deshalb nur, wenn Sie die Person sicher erkennen.
Katalog und Fotos sichern
Zu einem Fotoarchiv gehören oft mehr als nur die Bilddateien. digiKam speichert beispielsweise Tags und Alben in eigenen Datenbanken. Dort liegen auch Dateipfade, Vorschaubilder und Gesichtsdaten. Sichern Sie deshalb neben den Fotos auch die verwendete Katalogdatenbank und vorhandene Sidecar-Dateien. Ohne diese zusätzlichen Sicherungen bleiben die Bilder erhalten, während ein Teil Ihrer Sortierarbeit verloren geht.
Wenn Sie später das Programm wechseln, sind eingebettete Metadaten und Sidecars oft leichter zu übernehmen als Angaben, die nur in einer Programmdatenbank stehen. Eine vollständige Übertragung aller programmspezifischen Funktionen ist damit jedoch nicht garantiert. Prüfen Sie einen kleinen Ordner mit Tags und Sidecars, bevor Sie das ganze Archiv umstellen.