Brennweiten verstehen: Welches Objektiv für welches Motiv?
Auf Objektiven stehen Zahlen wie 14mm, 50mm oder 200mm. Die Brennweite ist der Abstand zwischen dem optischen Mittelpunkt des Objektivs und dem Sensor in Millimetern. Sie bestimmt, wie viel von der Szene ins Bild passt und wie groß Motive erscheinen.
Kurze Brennweiten wie 14mm zeigen einen weiten Ausschnitt, lange Brennweiten wie 200mm holen entfernte Motive heran. Die passende Brennweite hängt davon ab, wie nah Sie an das Motiv herankommen und wie viel Hintergrund im Bild bleiben soll.
Was die Brennweite bestimmt
Die Brennweite verändert drei Dinge: das Sichtfeld, die Größe des Motivs im Bild und die Wirkung des Hintergrunds.
Ein Weitwinkelobjektiv nimmt einen großen Winkel auf. Sie sehen mehr von der Umgebung, aber einzelne Motive wirken klein. Ein Teleobjektiv nimmt nur einen schmalen Winkel auf. Das Motiv füllt den Rahmen, der Hintergrund rückt näher und wirkt größer, als er in Wirklichkeit ist. Fotografen nennen das Kompression: Entfernte Bildelemente, etwa Berge hinter einer Person, erscheinen dichter am Motiv und größer im Verhältnis dazu.
Die Perspektive hängt allein vom Abstand zwischen Kamera und Motiv ab. Ein Weitwinkel, der dicht vor ein Gesicht gehalten wird, vergrößert die Nase und lässt die Ohren klein wirken. Derselbe Bildausschnitt mit einem Teleobjektiv aus größerer Entfernung wirkt flacher und natürlicher. Wer Porträts aufnimmt, wählt deshalb eine längere Brennweite und geht auf Abstand, statt mit dem Weitwinkel nah heranzugehen.
Diese Übersicht hilft Ihnen beim Einordnen im Laden:
| Brennweite | Wirkung | Typische Motive |
|---|---|---|
| 14-24mm | Sehr weiter Blickwinkel, Ränder verzerren | Landschaft, Architektur, Innenräume |
| 24-35mm | Weiter Blickwinkel, natürliche Proportionen | Street, Reportage, Gruppen |
| 50mm | Ausschnitt wie das menschliche Auge | Alltag, Street, Porträt |
| 85mm | Motiv füllt das Bild, Hintergrund wird weich | Porträt |
| 70-200mm | Entfernte Motive wirken nah, Hintergrund komprimiert | Sport, Events, Tiere |
| 100-600mm | Große Reichweite für sehr entfernte Motive | Vögel, Wildtiere, Sport |
Weitwinkel für Landschaft und Street
Brennweiten zwischen 14mm und 35mm zählen als Weitwinkel. Sie eignen sich für alles, bei dem Sie viel von der Umgebung zeigen wollen: Landschaften, Architektur, Innenräume und Straßenszenen.
Bei einer Landschaftsaufnahme möchten Sie den gesamten Talverlauf oder die Bergkette im Bild haben. Ein Weitwinkel nimmt die Szene auf, und weil die Schärfentiefe bei kurzen Brennweiten groß ist, bleibt von Vordergrund bis Horizont vieles scharf. Für Streetfotografie sind 24mm bis 35mm beliebt, weil Sie aus kurzer Distanz fotografieren und trotzdem den Kontext der Umgebung mitliefern.
Zwei Einschränkungen sollten Sie aber kennen. An den Bildrändern verzerrt ein Weitwinkel gerade Linien, und Personen am Rand wirken gestreckt. Für Gruppenbilder mit vielen Menschen ist das ungünstig. Und weil das Sichtfeld so groß ist, landet schnell viel Unwichtiges im Bild. Ein Weitwinkel verlangt, dass Sie bewusst einen Vordergrund wählen, der das Bild trägt.
50mm als Allrounder
Die 50mm-Brennweite gilt als Normalobjektiv, weil ihr Sichtfeld ungefähr dem entspricht, was das menschliche Auge als natürlichen Ausschnitt wahrnimmt. Weder werden Motive vergrößert noch die Umgebung gestaucht.
Das macht 50mm zur flexibelsten Brennweite für den Einstieg. Sie eignet sich für Streetfotografie, Alltagsbilder, Umweltporträts, bei denen die Person in ihrer Umgebung gezeigt wird, und für viele Situationen auf Reisen. Dazu kommt ein praktischer Punkt: 50mm-Objektive mit großer Blende gibt es günstig, und sie liefern auch bei schwachem Licht noch brauchbare Bilder.
Teleobjektive für Porträt, Tiere und Sport
Ab etwa 70mm beginnt der Telebereich. Diese Objektive holen entfernte Motive heran und isolieren sie vom Hintergrund. Für drei Motive sind sie die erste Wahl.
Für Porträts sind 85mm der Klassiker. Der Abstand zum Gesicht bleibt angenehm groß, die Nase wirkt nicht vergrößert, und der Hintergrund verschwimmt weich. Objektive mit großer Blende wie 85mm erzeugen dabei ein kräftiges Bokeh, also eine weiche Unschärfe im Hintergrund.
Für Tiere und Sport brauchen Sie deutlich mehr Reichweite. Wildtiere lassen sich nicht näher heranholen, und auf dem Sportplatz bleiben Sie hinter der Bande. Zoomobjektive von 70-200mm decken die meisten Sportarten von der Seitenlinie ab, für Vögel und scheue Tiere sind 100-400mm oder 150-600mm üblich. Je länger die Brennweite, desto stärker wirkt sich das eigene Verwackeln aus. Eine kurze Verschlusszeit oder ein Stativ gleichen das aus.
Der Crop-Faktor bei kleineren Sensoren
Die Brennweite auf dem Objektiv ist nicht immer die Brennweite, die Ihr Bild am Ende zeigt. Kameras mit kleinerem Sensor, etwa APS-C oder Micro Four Thirds, nutzen nur den mittleren Teil des Bildkreises, den das Objektiv entwirft. Dadurch wirkt das Bild enger, als die Millimeterzahl vermuten lässt.
Bei APS-C wird die Brennweite mit einem Faktor multipliziert, der je nach Hersteller unterschiedlich ist, bei Micro Four Thirds mit 2. Ein 50mm-Objektiv an einer APS-C-Kamera verhält sich also wie ein 75mm-Objektiv an einer Vollformatkamera. Für Teleaufnahmen ist das ein Vorteil, weil ein 200mm-Objektiv an APS-C wie 300mm wirkt. Für Weitwinkel ist es ein Nachteil: Ein 24mm-Objektiv wird zum leichten Normalobjektiv, und wer richtig weitwinklig fotografieren will, muss zu Spezialobjektiven greifen.
Das Objektiv bleibt dasselbe, die Kamera schneidet nur einen Teil des Bildes ab. Wer Objektiv-Empfehlungen liest, sollte deshalb immer wissen, ob sie für Vollformat oder für den eigenen Sensortyp gelten.
Wie Blende und Brennweite zusammenspielen
Die Brennweite bestimmt nicht allein, wie unscharf der Hintergrund wird. Daran ist auch die Blende beteiligt, also die Öffnung im Objektiv, durch die das Licht fällt. Eine große Blende lässt viel Licht durch und erzeugt wenig Schärfentiefe, eine kleine Blende lässt wenig Licht durch und macht viel scharf.
Lange Brennweiten verstärken den Effekt. Ein 200mm-Objektiv bei f/4 verschwimmt den Hintergrund stärker als ein 50mm-Objektiv bei f/4, weil die Schärfentiefe mit der Brennweite abnimmt. Für Porträts kombinieren Sie deshalb eine mittlere bis lange Brennweite mit einer großen Blende. Für Landschaften machen Sie das Gegenteil: kurze Brennweite, kleine Blende, damit Vorder- und Hintergrund scharf bleiben.
Das erste Objektiv wählen
Wer noch kein Objektiv besitzt, sollte mit einem Zoom beginnen, das den üblichen Alltagsbereich abdeckt, etwa 24mm bis 70mm an einer Vollformatkamera oder 18mm bis 55mm an einer APS-C-Kamera. Diese Kit-Objektive sind günstig, leicht und zeigen Ihnen, welche Brennweiten Sie für Ihre Motive tatsächlich brauchen. Viele Anfänger lassen das Zoom auf der mittleren Stellung stehen, weil sie unsicher sind, was der Ausschnitt bewirkt. Kontrollieren Sie nach ein paar Ausflügen die Aufnahmedaten Ihrer Bilder, dort steht die Brennweite jeder Aufnahme. So finden Sie heraus, ob Sie eher weitwinklig oder telelastig fotografieren.
Der nächste Schritt ist ein festes Objektiv mit großer Blende, etwa 35mm oder 50mm. Es zwingt Sie, den Standort zu wechseln, statt zu zoomen, und liefert bei wenig Licht und für Porträts deutlich bessere Bilder als das Kit-Zoom. Wenn Tiere und Sport Ihr Hauptmotiv sind, sparen Sie für ein Telezoom ab 70-200mm, denn eine große Blende nützt wenig, wenn das Motiv zu klein im Bild bleibt.