Die richtige Kameraausrüstung für Porträts

Für Porträts brauchen Sie keine teure Profiausrüstung. Entscheidend sind drei Merkmale: lange Brennweite, offene Blende, großer Bildsensor. Diese Kombination hält die Person scharf und lässt den Hintergrund weich verschwimmen – Fotografen nennen das Freistellen. Eine einfache Kamera mit dem richtigen Objektiv erzielt diesen Effekt auch ohne Studio.

Warum eine lange Brennweite wichtig ist

Die Brennweite bestimmt, wie stark ein Objektiv den Bildausschnitt vergrößert und wie das Gesicht abgebildet wird. Bei kurzen Brennweiten wirken Nasen und Stirn im Verhältnis zum Rest des Gesichts größer, weil Sie näher an die Person herangehen müssen, um den Kopf auszufüllen. Bei langen Brennweiten entspricht die Proportion der natürlichen Wahrnehmung, das Gesicht wirkt ausgewogen.

Für Porträts eignen sich Festbrennweiten mit langer Brennweite besonders gut. Eine Festbrennweite hat einen festen Bildwinkel, Sie zoomen mit den Füßen. Der Vorteil: Festbrennweiten haben meist eine größere maximale Blendenöffnung und oft eine höhere Bildschärfe als Zoomobjektive im gleichen Preisbereich. Ein Objektiv mit langer Brennweite an einer Vollformatkamera ist der klassische Einstieg. An Kameras mit kleinerem Sensor müssen Sie die Brennweite umrechnen, dazu später mehr.

So entsteht der unscharfe Hintergrund

Die Blende ist die verstellbare Öffnung im Objektiv, durch die das Licht auf den Sensor fällt. Sie wird als Blendenzahl angegeben, etwa F1.8, F2.8 oder F4. Je kleiner die Zahl, desto größer die Öffnung und desto mehr Licht gelangt auf den Sensor. Gleichzeitig verändert die Blende die Schärfentiefe. Das ist der Bereich vor und hinter der Schärfeebene, der im Bild scharf erscheint.

Eine offene Blende wie F1.8 erzeugt eine geringe Schärfentiefe. Nur die Ebene, auf die Sie fokussieren, ist scharf, alles davor und dahinter wird unscharf. Der Unterschied zwischen F4 und F1.8 ist deutlich sichtbar: Bei F4 ist der Hintergrund noch erkennbar, bei F1.8 verschwimmt er zu weichen Flächen. Für Porträts wählen Sie daher die größtmögliche Blendenöffnung Ihres Objektivs, also die kleinste Blendenzahl.

Achten Sie bei sehr offenen Blenden wie F1.2 oder F1.4 darauf, dass die Schärfeebene sehr dünn ist. Wenn Sie auf das Auge fokussieren, können Ohrläppchen oder Nasenspitze bereits unscharf sein. Für Gruppenporträts oder Aufnahmen, bei denen mehrere Personen scharf sein sollen, schließen Sie die Blende auf F4 oder F5.6.

Sensorgröße und ihr Einfluss

Der Sensor ist der lichtempfindliche Chip in der Kamera, auf den das Objektiv das Bild projiziert. Es gibt verschiedene Größen: Vollformat, APS-C und Micro Four Thirds. Die Sensorgröße beeinflusst zwei Dinge für Porträts: den Bildwinkel und die Schärfentiefe.

Ein Objektiv zeigt an einer APS-C-Kamera einen engeren Bildausschnitt als an einer Vollformatkamera, weil der kleinere Sensor nur den mittleren Teil des projizierten Bildes nutzt. Der Bildwinkel entspricht ungefähr dem eines Objektivs mit längerer Brennweite an Vollformat. Für Porträts ist das kein Nachteil. Sie erhalten mit einem Objektiv mit kürzerer Brennweite an APS-C denselben Bildausschnitt wie mit einer längeren Brennweite an Vollformat. Die Faustregel ist: An APS-C und Micro Four Thirds multiplizieren Sie die Brennweite mit einem Umrechnungsfaktor.

Die Sensorgröße beeinflusst auch das Freistellen. Ein größerer Sensor erzeugt bei gleicher Blende und gleichem Bildausschnitt eine geringere Schärfentiefe als ein kleinerer. Wenn Sie also mit einer Vollformatkamera bei F2.8 fotografieren, ist der Hintergrund weicher als mit einer Micro-Four-Thirds-Kamera bei derselben Blendenzahl. Das bedeutet nicht, dass Sie mit APS-C oder Micro Four Thirds keine Porträts mit unscharfem Hintergrund aufnehmen können. Sie müssen die Blende weiter öffnen oder näher an die Person herangehen, um denselben Effekt zu erzielen.

Freistellen in der Praxis

Freistellen gelingt mit drei Einstellungen: offene Blende, kurze Entfernung zum Motiv und großer Abstand zwischen Motiv und Hintergrund. Die Blende haben Sie bereits eingestellt. Je näher Sie an die Person herangehen, desto unschärfer wird der Hintergrund, weil die Schärfentiefe mit abnehmender Entfernung kleiner wird. Gleichzeitig vergrößert ein großer Abstand zwischen Person und Hintergrund den Unschärfeeffekt. Stellen Sie die Person also nicht direkt vor eine Wand, sondern lassen Sie ein paar Meter Platz.

Ein Beispiel: Sie verwenden ein Objektiv mit langer Brennweite an einer Vollformatkamera, stellen die Blende auf F1.8 und gehen auf etwa zwei Meter Abstand zur Person. Der Hintergrund in fünf Metern Entfernung wird deutlich weichgezeichnet. Wenn Sie denselben Ausschnitt mit einer APS-C-Kamera aufnehmen möchten, nehmen Sie ein Objektiv mit kürzerer Brennweite, gehen auf denselben Abstand und öffnen die Blende ebenfalls auf F1.8. Der Freistelleffekt fällt etwas schwächer aus, ist aber immer noch gut sichtbar.

In der Praxis heißt das: Entscheiden Sie zuerst, welche Kamera Sie besitzen oder kaufen möchten. Bei einer Vollformatkamera reicht ein Objektiv mit langer Brennweite mit F1.8 für die meisten Porträtsituationen. Bei APS-C wählen Sie ein Objektiv mit kürzerer Brennweite mit F1.8 oder ein Objektiv mit längerer Brennweite, wenn Sie etwas mehr Abstand halten möchten. Achten Sie beim Kauf darauf, dass das Objektiv zur jeweiligen Kamera passt, also zum Anschlussystem und zur Sensorgröße.