Digicams: Günstiger Einstieg oder überholte Technik?
Ob sich eine Digicam lohnt, hängt davon ab, ob Ihr Smartphone etwas nicht kann, das Sie brauchen. Wenn Ihnen kein konkreter Fall einfällt, brauchen Sie keine. Wenn Sie einen echten optischen Zoom, eine andere Haptik oder bewusstes Fotografieren ohne Ablenkung suchen, kann eine kompakte Digitalkamera sinnvoll sein. Legen Sie vor dem Kauf fest, was die Kamera besser können muss als Ihr Smartphone. Dann geben Sie kein Geld für Technik aus, die Sie nicht nutzen.
Wo das Smartphone an Grenzen stößt
Ein aktuelles Smartphone liefert bei gutem Licht Bilder, die vor zehn Jahren eine Systemkamera gebraucht hätte. Die Rechenleistung gleicht viele Schwächen der kleinen Sensoren aus. Bei Gegenlicht und hohem Kontrast setzt das Telefon mehrere Aufnahmen zu einem Bild zusammen. Das Bild zeigt in den hellen und dunklen Bereichen mehr Details, als eine einzelne Kameraaufnahme ohne Nachbearbeitung erreichen würde. Auch nachts gelingen Handaufnahmen, für die eine Kamera ein Stativ bräuchte. Die Nachtmodus-Software überlagert mehrere Belichtungen und rechnet verwackelte Stellen heraus.
Drei Dinge kann das Smartphone jedoch nicht ersetzen. Erstens den echten optischen Zoom: Die meisten Telefone haben ein fest eingebautes Objektiv oder einen digitalen Zoom, der die Bildqualität verschlechtert. Eine Digicam mit optischem Zoom von 10x oder mehr holt entfernte Motive heran, ohne dass die Schärfe leidet. Zweitens die physische Bedienung: Ein Auslöser, ein Einstellrad und ein klappbares Display ermöglichen eine andere, direktere Art zu fotografieren. Drittens die bewusste Trennung: Wer mit einer Kamera unterwegs ist, macht oft gezieltere Bilder, statt zwischendurch auf dem Telefon zu scrollen.
Die Physik der Schärfentiefe
Der größte Unterschied zwischen Smartphone und Digicam liegt in der Schärfentiefe, also dem Bereich, der im Bild scharf abgebildet wird. Das ist eine Frage der Physik. Eine typische Telefonkamera mit kurzer Brennweite und großer Blende, auf ein Motiv in üblicher Entfernung fokussiert, bildet praktisch alles scharf ab, vom Vordergrund bis zum Hintergrund. Eine Vollformatkamera mit langer Brennweite und großer Blende, ebenfalls auf das Motiv fokussiert, erzeugt dagegen eine deutlich sichtbare Unschärfe im Hintergrund.
Der Porträtmodus des Smartphones simuliert diese Unschärfe, indem er die Person vom Hintergrund trennt und den Hintergrund weichzeichnet. Bei glatten Konturen wie einem Gesicht funktioniert das gut. An Haaren, Brillengestellen oder Blättern erkennt man die Berechnung jedoch oft: Dort entstehen unsaubere Kanten oder der Hintergrund wird an manchen Stellen scharf gelassen. Eine Digicam mit großem Sensor und lichtstarkem Objektiv erzeugt die Unschärfe optisch und damit sauber. Allerdings gilt das nur für Modelle mit Sensoren ab etwa 1 Zoll und Objektiven mit offener Blende. Kompakte Digicams mit winzigen Sensoren, wie sie in den 2000er-Jahren üblich waren, haben denselben Nachteil wie das Smartphone: viel Schärfentiefe und wenig Unschärfe.
Wann sich eine Digicam lohnt
Eine Digicam lohnt sich für drei konkrete Einsatzfälle. Wer viel auf Reisen ist und Tiere, Architektur oder Landschaften aus der Distanz fotografiert, profitiert vom optischen Zoom. Wer sich auf das Fotografieren konzentrieren möchte, ohne Benachrichtigungen und Apps auf dem Display, bekommt mit einer Kamera eine ruhigere Arbeitsweise. Und wer die Ästhetik älterer Digitalfotos mag, mit ihrem typischen Look aus weicheren Farben und leichter Körnung, findet in einer gebrauchten Digicam genau diesen Charakter.
Für alle anderen Fälle bleibt das Smartphone die bessere Wahl. Es ist immer dabei, liefert bei den meisten Alltagssituationen gute Ergebnisse und kostet keine zusätzliche Anschaffung. Wenn Sie nicht genau wissen, was die Kamera besser können soll als Ihr Telefon, lassen Sie den Kauf. Eine Digicam, die im Schrank liegt, weil das Smartphone doch bequemer ist, ist in jedem Fall das teurere Modell.
Gebraucht oder refurbished kaufen
Wer sich für eine Digicam entscheidet, kauft sie in der Regel gebraucht oder refurbished, also generalüberholt. Neue Kompaktkameras gibt es nur noch wenige, und sie sind meist teuer. Auf dem Gebrauchtmarkt finden Sie Modelle aus den 2010er-Jahren für wenig Geld. Achten Sie beim Kauf auf den Zustand des Objektivs, denn Kratzer auf der Frontlinse lassen sich nicht reparieren und verschlechtern jedes Bild. Auch der Sensor sollte keine Staubflecken oder Beschädigungen aufweisen. Prüfen Sie, ob der Akku noch ausreichend Kapazität hat, denn Ersatzakkus für ältere Modelle sind manchmal schwer zu bekommen.
Refurbished-Anbieter wie Refurbed verkaufen aufbereitete Elektronik, die optisch und funktional wie neu sein soll, mit mindestens zwölf Monaten Garantie. Das Angebot umfasst nach eigenen Angaben Smartphones, Tablets, Notebooks und E-Bikes. Ob auch Kameras darunter sind, lässt sich nicht pauschal sagen, das müssen Sie im jeweiligen Shop prüfen. Die Garantie ist ein Vorteil gegenüber dem Privatkauf, bei dem Sie keine Absicherung haben. Dafür sind die Preise bei Privatverkäufern oft niedriger. Rechnen Sie vor dem Kauf aus, was die Kamera zusammen mit Akku, Speicherkarte und eventuell neuem Zubehör kostet, und vergleichen Sie das mit dem Nutzen, den Sie daraus ziehen.