Fotografieren bei Konzerten und Events

Bei Konzerten und Events kontrollieren Sie Licht, Zeit und Bewegung nicht. Das Licht wechselt zwischen zu hell und zu dunkel. Die Zeit ist knapp. Musiker und Gäste bewegen sich ständig. Vier Kameraeinstellungen entscheiden, ob Ihnen trotzdem brauchbare Bilder gelingen: Lichtstärke, Autofokus, Brennweite und Bildstabilisierung.

Licht, das Sie nicht steuern

Bevor Sie über Technik nachdenken, sehen Sie sich die Location an. Bei kleineren Bands ist die Bühne oft nicht vollständig ausgeleuchtet. Der Raum ist eng. Sie können aus jedem Winkel fotografieren. Nach Absprache mit der Band dürfen Sie manchmal sogar auf die Bühne. Bei größeren Bühnen gibt es meist einen Fotograben. Den teilen Sie sich mit anderen Fotografen. Der Veranstalter legt fest, wie lange Sie dort bleiben dürfen. Häufig sind das 15 Minuten oder drei Lieder. In dieser Zeit müssen Sie mit dem Licht auskommen, das vorhanden ist. Nehmen Sie Rücksicht auf die anderen Fotografen. Beachten Sie die Anweisungen des Sicherheitspersonals.

Die Blende bestimmt die Verschlusszeit

Die Lichtstärke eines Objektivs sagt, wie viel Licht es auf den Sensor lässt. Entscheidend ist die maximale Blendenöffnung. Das ist die kleinste Blendenzahl, die das Objektiv bietet. Ein Objektiv mit großer Blendenöffnung lässt deutlich mehr Licht durch als eines mit kleiner Blendenöffnung. Je mehr Licht auf den Sensor fällt, desto kürzer kann die Verschlusszeit sein, ohne dass das Bild verwackelt oder verrauscht. Bei Konzerten mit schwachem Bühnenlicht ist eine große Blendenöffnung deshalb am wichtigsten. Festbrennweiten sind oft lichtstärker als Zoomobjektive, die bei einer kleinen Blendenöffnung beginnen. Wenn Sie nur ein Zoomobjektiv haben, achten Sie darauf, dass es über den gesamten Brennweitenbereich eine möglichst große Blendenöffnung bietet.

Autofokus: Das Motiv muss scharf bleiben, nicht die Bühne

Bei Konzerten bewegen sich die Musiker ständig. Sie springen, drehen sich oder laufen über die Bühne. Ein Autofokus, der einmal scharfstellt und dann stehen bleibt, liefert viele unscharfe Bilder. Stellen Sie Ihre Kamera auf den kontinuierlichen Autofokus um. Er verfolgt das Motiv während der ganzen Serie. Die Bezeichnung variiert je nach Hersteller. Oft heißt der Modus AI-Servo oder AF-C. Bei Events mit Menschen, die sich kaum bewegen, etwa bei einer Podiumsdiskussion oder einer Vernissage, reicht der Einzel-Autofokus. Er stellt bei jedem Druck auf den Auslöser neu scharf. Bei schwachem Licht findet der Autofokus oft kein Motiv. Viele Kameras bieten dann ein Hilfslicht an. Oder sie bieten eine Fokussierung über die Bildfläche an, die auf Kanten und Kontraste reagiert. Testen Sie vor dem Konzert, wie Ihre Kamera bei wenig Licht fokussiert. Wählen Sie den Fokuspunkt möglichst auf das Auge oder das Gesicht des Musikers.

Brennweite: Was Sie von Ihrer Position aus brauchen

Die passende Brennweite hängt davon ab, wo Sie stehen. Im Fotograben direkt vor der Bühne brauchen Sie ein Weitwinkel oder eine leichte Normalbrennweite. Damit erfassen Sie die gesamte Bühne oder den Musiker mit Umgebung. Von weiter hinten, etwa aus dem Publikum oder von einer seitlichen Position, brauchen Sie ein Teleobjektiv. Damit holen Sie den Künstler nah heran. Ein Zoomobjektiv ist flexibel. Sie können ohne Objektivwechsel auf unterschiedliche Entfernungen reagieren. Festbrennweiten sind meist lichtstärker. Dafür müssen Sie mit den Füßen zoomen, also näher herangehen oder zurücktreten. Wenn Sie nur ein Objektiv mitnehmen können, wählen Sie das, das zur häufigsten Entfernung passt, in der Sie sich aufhalten werden.

Bildstabilisierung gleicht nur Verwackeln aus

Die Bildstabilisierung in Objektiv oder Kameragehäuse gleicht das Verwackeln Ihrer Hände aus. Sie wirkt, wenn Sie die Kamera ruhig halten. Sie hilft bei langen Verschlusszeiten, wenn Sie aus der Hand fotografieren. Sie hilft nicht, wenn sich das Motiv selbst bewegt. Ein springender Gitarrist bleibt auch mit eingeschalteter Stabilisierung unscharf, wenn die Verschlusszeit zu lang ist. Für bewegte Motive brauchen Sie eine kurze Verschlusszeit. Nur so frieren Sie die Bewegung ein. Die Bildstabilisierung ist also kein Ersatz für eine kurze Verschlusszeit. Sie ist ein Werkzeug für ruhige Szenen, etwa ein Porträt bei schwachem Licht oder eine ruhige Bühne ohne viel Bewegung. Schalten Sie die Stabilisierung ab, wenn die Kamera auf einem Stativ steht. Dort arbeitet sie unnötig und erzeugt in seltenen Fällen sogar Verwacklungen.

Praxis im Fotograben

Im Fotograben zählt jede Minute. Sie haben nur wenige Lieder Zeit. Prüfen Sie die Kameraeinstellungen also vorher. Stellen Sie die Blende auf die größte Öffnung. Setzen Sie die ISO-Empfindlichkeit hoch genug für eine kurze Verschlusszeit. Stellen Sie den Autofokus auf kontinuierliche Verfolgung. Wenn das Licht wechselt, passen Sie die Belichtung an. Erhöhen oder senken Sie die ISO, statt die Verschlusszeit zu verlängern. Achten Sie darauf, dass Sie die Musiker nicht behindern. Befolgen Sie die Anweisungen des Sicherheitspersonals. Wenn Sie nach den drei Liedern den Graben verlassen müssen, haben Sie die Bilder bereits auf der Speicherkarte. Wechseln Sie nicht während der ersten Lieder die Objektive. Das kostet zu viel Zeit. Nutzen Sie die Gelegenheit, verschiedene Blickwinkel auszuprobieren, solange Sie die Freiheit dazu haben.