Fotografieren bei Nacht und Dämmerung
Wenn das Tageslicht verschwindet, kommt weniger Licht auf den Sensor. Die Belichtungszeit wird länger, und Fotos werden unscharf oder körnig.
Für gute Nacht- und Dämmerungsaufnahmen sind der ISO-Wert, die Blende des Objektivs, die Sensorgröße, die Bildstabilisierung und das Stativ entscheidend. Sie bestimmen, wie viel Licht den Sensor erreicht und wie lange er belichtet wird.
ISO richtig wählen
Der ISO-Wert gibt an, wie empfindlich der Sensor der Kamera auf Licht reagiert. Bei guten Lichtverhältnissen reichen meist ISO 100 oder 200 aus. In der Dämmerung, abends oder in Innenräumen brauchen Sie oft höhere Werte zwischen 400 und 800, manchmal bis 1600 oder 3200. Ein höherer ISO-Wert macht die Kamera lichtempfindlicher und ermöglicht kürzere Verschlusszeiten bei wenig Licht. Der Preis dafür ist Bildrauschen: kleine bunte oder graue Punkte, die besonders in dunklen Bildbereichen sichtbar werden.
Halten Sie den ISO-Wert so niedrig wie möglich, aber so hoch wie nötig. Wenn Sie aus der Hand fotografieren und die Verschlusszeit zu lang wird, um das Bild ruhig zu halten, ist ein höherer ISO-Wert die bessere Wahl als ein verwackeltes Foto. Moderne Kameras verkraften höhere ISO-Werte deutlich besser als ältere Modelle, und auch die Bildbearbeitung kann Rauschen inzwischen gut reduzieren. Probieren Sie aus, bis zu welchem ISO-Wert Ihre Kamera für Ihren Geschmack noch akzeptable Ergebnisse liefert.
Blende und Lichtstärke
Die Blende ist die Öffnung im Objektiv, durch die das Licht auf den Sensor fällt. Eine große Öffnung lässt viel Licht durch, eine kleine weniger. Die Lichtstärke eines Objektivs wird mit der Blendenzahl angegeben. Je kleiner diese Zahl ist, desto lichtstärker ist das Objektiv und desto besser eignet es sich für Aufnahmen bei wenig Licht.
Ein lichtstarkes Objektiv mit einer großen Blendenöffnung ist bei Nacht- und Dämmerungsaufnahmen ein großer Vorteil, weil es deutlich mehr Licht einfängt als ein Objektiv mit einer kleineren Öffnung. Das bedeutet: Sie können kürzere Verschlusszeiten verwenden oder einen niedrigeren ISO-Wert einstellen. Ein Nachteil der großen Blendenöffnung ist die geringe Schärfentiefe: Nur ein schmaler Bereich des Bildes ist scharf. Wenn Sie eine Landschaft bei Nacht fotografieren möchten, bei der Vorder- und Hintergrund scharf sein sollen, müssen Sie die Blende schließen und dafür länger belichten oder den ISO-Wert erhöhen.
Sensorgröße und Bildrauschen
Der Sensor ist das Bauteil in der Kamera, das das Licht aufnimmt und in ein Bild umwandelt. Sensoren gibt es in verschiedenen Größen. Vollformat-Sensoren sind etwa so groß wie ein klassischer Kleinbildfilm, APS-C-Sensoren sind kleiner, und in Kompaktkameras und den meisten Smartphones stecken noch kleinere Sensoren. Die Sensorgröße beeinflusst, wie viel Licht jeder einzelne Bildpunkt, also jedes Pixel, einfangen kann.
Ein größerer Sensor hat bei gleicher Pixelanzahl größere einzelne Pixel, die mehr Licht sammeln. Deshalb liefern Kameras mit Vollformat-Sensor bei hohen ISO-Werten in der Regel weniger Rauschen und mehr Details in dunklen Bildbereichen als Kameras mit kleinerem Sensor. Das bedeutet nicht, dass Sie für gute Nachtfotos unbedingt eine teure Vollformat-Kamera brauchen. Eine Kamera mit APS-C-Sensor oder sogar eine gute Kompaktkamera kann bei Dämmerung ebenfalls brauchbare Bilder liefern, wenn Sie die anderen Faktoren wie ISO und Blende richtig einsetzen. Die Sensorgröße erklärt aber, warum manche Kameras bei Nacht deutlich bessere Ergebnisse erzielen als andere.
Wann die Bildstabilisierung hilft
Die Bildstabilisierung gleicht Verwacklungen aus, die durch das Halten der Kamera mit der Hand entstehen. Sie erlaubt längere Verschlusszeiten, ohne dass das Bild unscharf wird. Bei Dämmerungsaufnahmen aus der Hand ist das ein großer Vorteil. Es gibt zwei Arten: Die Stabilisierung kann im Objektiv sitzen oder im Kameragehäuse. Viele moderne Kameras kombinieren beide Systeme.
Eine weit verbreitete Faustregel besagt, den Bildstabilisator auszuschalten, sobald die Kamera auf einem Stativ steht. Der Grund: Der Stabilisator könnte die winzigen Vibrationen des Stativs fälschlich als Bewegung interpretieren und selbst Schwingungen erzeugen. Diese Schwingungen machen das Bild unscharf. Diese Regel gilt aber nicht immer. Ein Test aus dem Jahr 2017 zeigte, dass moderne Stabilisatoren auf dem Stativ zuverlässig arbeiten können. Die Empfehlung, sie auszuschalten, trifft also nicht auf alle Systeme zu. Viele aktuelle Kameras erkennen selbst, dass sie auf einem Stativ stehen, und passen ihr Verhalten entsprechend an.
Praktisch gehen Sie so vor: Wenn Sie auf einem stabilen Stativ fotografieren, schalten Sie den Stabilisator aus, wenn Ihre Kamera oder Ihr Objektiv älter ist oder Sie unsicher sind. Bei wackeligem Untergrund wie starkem Wind, einem schwankenden Steg oder einem Boot lassen Sie den Stabilisator eingeschaltet, denn dort kann er auch auf dem Stativ Verwacklungen ausgleichen. Wenn Sie unsicher sind, machen Sie zwei Aufnahmen, eine mit und eine ohne Stabilisator, und vergleichen Sie die Ergebnisse auf dem Bildschirm.
Wann ein Stativ nötig ist
Ein Stativ ist dann unverzichtbar, wenn Sie lange Verschlusszeiten verwenden möchten, etwa für Nachtaufnahmen von Straßen, Gebäuden oder Sternenhimmel. Bei Belichtungszeiten von mehreren Sekunden oder Minuten ist es unmöglich, die Kamera ruhig genug in der Hand zu halten, selbst mit Bildstabilisierung. Ein Stativ hält die Kamera fest und ermöglicht scharfe Bilder bei jeder Belichtungszeit.
Bei der Auswahl eines Stativs kommt es auf Stabilität an. Ein leichtes Reisestativ ist praktisch, aber bei Wind oder schwerem Objektiv kann es zu leicht sein und vibrieren. Ein schwereres Stativ mit dicken Beinen steht stabiler. Achten Sie auch auf die maximale Traglast, die das Stativ für Ihre Kamera und Ihr Objektiv aushalten muss. Ein Fernauslöser oder der Selbstauslöser der Kamera verhindert zusätzlich, dass Sie die Kamera beim Auslösen verwackeln. Wenn Sie kein Stativ dabeihaben, suchen Sie nach einer stabilen Unterlage wie einer Mauer, einem Geländer oder einem Tisch und legen Sie die Kamera darauf ab.