Eine gebrauchte Digitalkamera kostet oft mehrere hundert Euro weniger als der Neupreis. Viele Kameras halten bei normaler Pflege jahrelang. Der Kauf lohnt sich, wenn Sie Verschluss, Sensor, Akku und Objektivfassung prüfen. Diese Bauteile verschleißen am häufigsten. Fragen Sie den Verkäufer auch, wie die Kamera benutzt wurde. Dann liefert sie noch lange gute Bilder.
Zustand des Gehäuses prüfen
Beginnen Sie mit der äußeren Inspektion, denn sie verrät viel über die Behandlung der Kamera. Achten Sie auf tiefe Kratzer, Dellen oder abgestoßene Ecken am Gehäuse. Solche Spuren deuten darauf hin, dass die Kamera gestürzt ist oder unsachgemäß transportiert wurde. Prüfen Sie außerdem alle Klappen und Abdeckungen: Die Akkufachklappe, der Speicherkartenslot und die Anschlussabdeckungen sollten sauber schließen und keine Lücken haben. Gummi- und Kunststoffteile, etwa die Griffmulde oder der Augenschutz am Sucher, dürfen nicht klebrig oder rissig sein. Klebrige Oberflächen treten bei älteren Modellen häufiger auf und lassen sich nur schwer reinigen.
Auch die Bedienelemente gehören zur Kontrolle. Drehen Sie jedes Einstellrad langsam durch und achten Sie auf Rasterungen oder hängende Positionen. Drücken Sie alle Tasten und prüfen Sie, ob sie spürbar auslösen. Ein wackelndes Objektivbajonett oder ein verbogener Blitzschuh sind Gründe, die Kamera nicht zu kaufen. Diese Schäden lassen sich nicht wirtschaftlich reparieren.
Auslöserzahl und Verschluss
Die Auslöserzahl, oft als Shutter Count bezeichnet, gibt an, wie oft der Verschluss bereits ausgelöst wurde. Sie zeigt am besten, wie stark die Kamera verschlissen ist. Viele Hersteller geben eine Lebensdauer an, die je nach Modell und Baureihe stark variiert. Eine Kamera mit niedriger Auslöserzahl hat also noch viel Reserve, während ein Gerät mit hoher Auslöserzahl am Ende seiner Lebensdauer sein kann.
Fragen Sie den Verkäufer nach der Auslöserzahl. Bei vielen Kameras lässt sie sich direkt im Menü anzeigen, bei anderen benötigen Sie ein externes Programm oder eine Website, die die Zahl aus einer Testaufnahme ausliest. Wenn der Verkäufer die Zahl nicht nennen kann oder will, ist das ein Warnsignal. Prüfen Sie zusätzlich den Verschluss auf ungewöhnliche Geräusche: Ein sauberes, knackiges Auslösegeräusch ist normal, ein Schleifen oder Rattern deutet auf einen defekten Verschluss hin.
Sensor auf Staub und Schäden prüfen
Der Sensor ist das Herzstück der Kamera und der teuerste Baustein. Ein einzelner Staubpunkt lässt sich mit einem Blasebalg oder einer Sensorreinigung entfernen, aber Kratzer oder abgeplatzte Mikrolinsen sind irreparabel. Um den Sensor zu prüfen, stellen Sie die Kamera auf eine kleine Blende, richten Sie sie auf eine weiße, gleichmäßig beleuchtete Fläche und fotografieren Sie. Anschließend vergrößern Sie das Bild am Computer und suchen nach dunklen Flecken oder Linien. Ein paar Staubpunkte sind bei gebrauchten Kameras normal und kein Grund zur Sorge. Hartnäckige Flecken, die sich nicht wegblasen lassen, oder sichtbare Kratzer sollten Sie zum Anlass nehmen, das Gerät nicht zu kaufen.
Auch die Bildqualität selbst gehört zur Prüfung. Machen Sie Testaufnahmen bei verschiedenen Lichtverhältnissen und schauen Sie sich die Bilder auf einem Monitor an. Achten Sie auf tote Pixel, die als helle oder farbige Punkte an derselben Stelle in mehreren Aufnahmen erscheinen. Ein einzelner toter Pixel lässt sich oft per Software korrigieren, aber mehrere deuten auf einen defekten Sensor hin.
Akku und Ladegerät
Der Akku ist ein Verschleißteil, das Sie bei gebrauchten Kameras immer einplanen sollten. Lithium-Ionen-Akkus verlieren mit der Zeit an Kapazität, auch wenn sie nicht benutzt werden. Ein Akku, der nach zwei Jahren nur noch die Hälfte der ursprünglichen Laufzeit erreicht, ist normal. Fragen Sie den Verkäufer, wie alt der Akku ist und wie viele Aufnahmen er pro Ladung schafft. Wenn die Kamera mit zwei Akkus verkauft wird, ist das ein Pluspunkt, denn Sie haben sofort eine Reserve.
Prüfen Sie außerdem, ob das Original-Ladegerät oder ein kompatibles Netzteil im Lieferumfang ist. Fehlt das Ladegerät, müssen Sie die Kosten für ein Ersatzteil in Ihre Rechnung einbeziehen. Bei manchen Kameras können Sie den Akku auch über USB laden, was die Sache vereinfacht. Ein aufgeblähter Akku, der sich nicht mehr flach auf den Tisch legen lässt, ist gefährlich und ein klarer Grund, die Kamera nicht zu kaufen.
Objektivanschluss und Objektive
Der Objektivanschluss, das Bajonett, verbindet das Objektiv mit dem Kameragehäuse. Hier übertragen elektrische Kontakte die Daten zwischen Kamera und Objektiv. Prüfen Sie das Bajonett auf Kratzer, Abrieb oder Verformungen. Ein beschädigtes Bajonett führt zu wackelnden Objektiven und unscharfen Bildern. Setzen Sie ein Objektiv auf und achten Sie darauf, dass es sauber einrastet und kein Spiel hat. Die elektrischen Kontakte sollten blank und frei von Korrosion sein.
Wenn Sie ein Objektiv mitkaufen, untersuchen Sie auch das Glas. Kratzer auf der Frontlinse sind oft harmlos, solange sie klein sind und die Bildqualität nicht beeinträchtigen. Schlimmer sind Schimmel im Inneren des Objektivs, der sich als feine Spinnweben oder Flecken zwischen den Linsenelementen zeigt. Schimmel lässt sich nur durch eine teure Reinigung entfernen und kann sich auf andere Objektive übertragen. Halten Sie das Objektiv gegen eine helle Lichtquelle, um solche Schäden zu erkennen. Auch der Autofokus sollte in einer Testaufnahme sauber und schnell arbeiten.
Vorbesitz und Herkunft
Die Herkunft der Kamera sagt viel über ihren Zustand. Fragen Sie den Verkäufer, ob die Kamera aus einem Raucherhaushalt stammt, denn Nikotin setzt sich auf Sensor und Objektiven ab und ist schwer zu entfernen. Auch Kameras aus gewerblicher Nutzung, etwa von Hochzeitsfotografen oder in Mietstudios, haben oft eine hohe Auslöserzahl und intensive Nutzung hinter sich. Eine private Kamera, die nur im Urlaub benutzt wurde, ist in der Regel die bessere Wahl.
Verlangen Sie den Original-Kaufbeleg oder die Rechnung. Damit können Sie das Alter der Kamera nachvollziehen und prüfen, ob noch eine Herstellergarantie besteht. Viele Hersteller gewähren auf Kameras eine Garantie von einem Jahr, manche bieten gegen Aufpreis eine Verlängerung an. Wenn der Verkäufer keine Rechnung vorlegen kann, sollten Sie misstrauisch werden. Das kann auf einen Diebstahl hindeuten oder darauf, dass die Kamera bereits repariert wurde. Fragen Sie auch nach der Seriennummer und prüfen Sie, ob sie mit der auf dem Gehäuse übereinstimmt.
Sinnvolle Preisgrenzen
Ein realistischer Preis für eine gebrauchte Kamera hängt stark von Alter und Zustand ab. Ein aktuelles Modell, das kaum benutzt ist, kann einen hohen Anteil des Neupreises wert sein, während ein älteres Modell mit hoher Auslöserzahl und Gebrauchsspuren deutlich weniger kosten sollte. Vergleichen Sie die Preise auf mehreren Plattformen wie eBay, Kleinanzeigen und bei Fachhändlern, die gebrauchte Kameras mit Garantie verkaufen.
Setzen Sie vor dem Kauf eine Obergrenze fest und bleiben Sie dabei. Rechnen Sie mögliche Folgekosten ein, etwa für einen neuen Akku, ein Ersatzladegerät oder eine Sensorreinigung beim Fachhändler. Wenn der Kaufpreis plus diese Kosten nahe am Neupreis liegt, lohnt sich der Gebrauchtkauf nicht. Ein seriöser Verkäufer lässt sich auf einen kleinen Preisnachlass ein, wenn Sie auf Mängel wie einen schwachen Akku oder fehlendes Zubehör hinweisen.