Kamera reinigen auf Reisen

Unterwegs sammelt die Kamera Staub, Sand und Feuchtigkeit, am stärksten auf der Frontlinse. Der häufigste Pflegefehler ist, mit T-Shirt oder Tuch über feine Partikel zu reiben. Das riskiert Kratzer auf dem Glas.

Die sichere Grundroutine: Erst lose Partikel mit einem Blasebalg entfernen, dann vorsichtig mit einem sauberen, fusselfreien Tuch wischen. Der Blasebalg ist eine kleine Gummibirne. Er erzeugt Luftstöße, ohne die Linse zu berühren. Was sich damit nicht lösen lässt, sollte ein Fachbetrieb übernehmen.

Kamera erst abblasen, dann wischen

Die Reihenfolge entscheidet, ob die Reinigung schützt oder schadet. Trockene Partikel wie Staubkörner oder feiner Sand wirken beim Reiben wie Schleifpapier. Deshalb gilt: Kamera ausschalten, lose Partikel vom Gehäuse und von der Frontlinse wegblasen und erst danach ein Tuch ansetzen. Die kurze Routine für unterwegs sieht so aus:

  1. Kamera ausschalten.
  2. Groben Staub und Sand vom Gehäuse und von der Objektivfassung wegblasen.
  3. Den Objektivdeckel abnehmen und die Frontlinse aus etwas Abstand abblasen.
  4. Nur bei Fingerabdrücken oder Flecken mit dem Tuch wischen.
  5. Den Objektivdeckel wieder aufsetzen.

Ein einfacher Blasebalg ohne Bürste ist am sichersten. Hersteller wie Sony und Nikon empfehlen ihn als ersten Schritt, um Staub von Objektiv und Gehäuse zu entfernen. Wichtig ist, die Gummibirne vorsichtig zusammenzudrücken und den Luftstrom aus etwas Abstand auf die Linse zu richten. Druckluftsprays oder Kompressorluft gehören nicht in die Kamera. Sie können Feuchtigkeit oder zu viel Druck in empfindliche Bereiche bringen und den Bildsensor beschädigen.

Das Mikrofasertuch richtig einsetzen

Ein sauberes, weiches und fusselfreies Tuch ist das richtige Werkzeug für Fingerabdrücke und Flecken auf der Frontlinse. Ein Mikrofasertuch erfüllt diese Aufgabe nur, wenn es wirklich sauber ist. Ein Tuch, das vorher auf dem Strandtuch lag oder Sand abbekommen hat, richtet mehr Schaden an, als es verhindert. Deshalb gehört das Reinigungstuch in eine verschließbare Tasche oder Hülle und wird nach der Reise gewaschen.

Bei Fingerabdrücken reicht meist ein sanftes Wischen von der Mitte nach außen. Sitzt der Schmutz fester, hilft eine kleine Menge Objektivreinigungsflüssigkeit. Die Flüssigkeit kommt auf das Tuch, nicht direkt auf die Linse. Organische Lösungsmittel wie Verdünner oder Benzin sind tabu: Sie können die empfindliche Beschichtung der Linse angreifen.

Der Objektivdeckel schützt vor neuem Staub

Der Objektivdeckel ist der beste Schutz gegen neuen Staub. Wer ihn direkt nach dem Fotografieren wieder aufsetzt, muss die Frontlinse seltener reinigen. Das schont die Beschichtung und spart Zeit. Sony empfiehlt, den vorderen Objektivdeckel nach der Reinigung wieder anzubringen, damit sich nicht erneut Staub auf der Frontlinse absetzt.

Beim Objektivwechsel eine saubere Umgebung wählen, die Kamera nur kurz ohne Objektiv lassen und sie leicht nach unten neigen. So fällt kein Staub hinein. Bei Wind, Flugsand oder direkt am Strand sollte man auf den Wechsel möglichst ganz verzichten. Wer das Ersatzobjektiv mit abgenommenem Deckel bereithält, verkürzt die Zeit, in der das Gehäuse offen liegt.

Sand und Salz am Strand

Sand ist kein normaler Staub. Er kann in Zoom-, Fokus- und Blendenmechanismen eindringen und dort Blockaden verursachen. Die meisten Kameras sind weder vollständig staub- noch sandgeschützt. Auch Kamerataschen transportieren Sand weiter, wenn sie nicht regelmäßig ausgeleert werden. Deshalb gehört die Kamera bei Flugsand in die Tasche. Der Objektivdeckel kommt sofort auf, sobald nicht fotografiert wird. Nach dem Strandtag die Tasche von Sand befreien, damit die Körner nicht bei der nächsten Tour über Gehäuse und Objektiv reiben.

Salz ist die zweite Belastung am Meer. Salzhaltige Meeresluft setzt sich als feiner Film auf dem Gehäuse ab. Nach einem Tag am Meer reicht es meist, die Außenflächen mit einem fast trockenen, weichen Tuch abzuwischen, sofern die Bedienungsanleitung das zulässt. Wer eine nicht wasserdichte Kamera mit Leitungswasser abspült, riskiert Schäden an Elektronik und Dichtungen. Abdeckungen, Akkufächer und Speicherkartenfächer bleiben geschlossen, solange Sand oder Feuchtigkeit an den Dichtungen sitzen. Sandkörner reibt man nicht mit dem Tuch über die Linse, sondern bläst sie vorher weg.

Feuchtigkeit und Kondensation

Kondensation entsteht, wenn die Kamera schnell von kalt nach warm wechselt. Typische Situationen auf Reisen: kalte Außenluft und danach ein warmer Innenraum, ein klimatisiertes Auto oder feuchtwarme Tropenluft. Die Feuchtigkeit legt sich dann auf das Gehäuse, auf optische Bauteile und auf die empfindliche Elektronik im Inneren.

Am einfachsten ist Warten. Die Kamera bleibt nach dem Temperaturwechsel in der Tasche und wärmt dort langsam auf. Bei starken Schwankungen hilft ein luftdicht verschlossener Plastikbeutel. Darin passt sich die Kamera allmählich an die neue Umgebung an, ohne dass feuchte Luft direkt an die kalten Bauteile gelangt. Wer sofort einschaltet oder Objektiv und Akku herausnimmt, verlängert die Zeit, bis der Beschlag verschwindet. Ist bereits Kondenswasser sichtbar, heißt es warten, bis es vollständig verschwunden ist. Es gibt keine allgemeingültige Wartezeit für alle Kameras. Die Bedienungsanleitung des eigenen Modells geht vor. Beschlag außen lässt sich vorsichtig abtupfen. Bei Beschlag im Objektiv, im Sucher oder auf dem Display unterbrich das Fotografieren.

Wo die Eigenreinigung endet

Die Frontlinse lässt sich mit Blasebalg und Tuch sicher selbst pflegen. Beim Bildsensor hört die Eigenreinigung jedoch schnell auf. Viele Kameras haben eine integrierte Sensorreinigungsfunktion, die Staub durch Vibration entfernt. Bleibt danach ein sichtbarer Staubpunkt, kann je nach Modell ein vorsichtiges Ausblasen mit dem Blasebalg helfen. Den Sensor sollte niemand selbst berühren. Auch eine Bürste oder andere Gegenstände sollten die Sensoroberfläche nicht berühren. Bleibt der Schmutz, übernimmt der Kundendienst oder ein qualifizierter Fotofachbetrieb.

Auch das Objektivinnere sollte man unterwegs nicht selbst reinigen. Staub oder Schimmel im Inneren eines Objektivs lässt sich von außen nicht entfernen. Dafür müsste das Objektiv geöffnet werden. Das gehört in autorisierte Servicewerkstätten. Wer selbst am Objektiv herumschraubt, riskiert mehr Schaden, als der Staub je verursachen würde. Dasselbe gilt für schwergängige Zoomringe, blockierte Fokusmechanismen oder kratzende Geräusche. Dann nicht weiterprobieren, sondern die Kamera prüfen lassen.