Beim Kauf einer neuen Kamera führt am Datenblatt kein Weg vorbei. Es listet Kennzahlen wie Megapixel, 5-Achsen-Stabilisierung und Autofokuspunkte. Doch nicht jede dieser Zahlen zeigt, wie gut die Kamera in der Praxis fotografiert. Entscheidend sind die Werte in vier Bereichen: Sensor, Objektiv, Autofokus und Akku. Die übrigen Angaben dienen oft nur der Verkaufsargumentation.
Sensorgröße statt Megapixel
Die Megapixel-Angabe ist die bekannteste Zahl im Datenblatt, wird aber auch am häufigsten missverstanden. Ein Megapixel entspricht einer Million Bildpunkte. Mehr Megapixel bedeuten eine höhere Auflösung, also mehr Pixel pro Bild. Für große Drucke oder starke Bildausschnitte ist das nützlich. Für die alltägliche Bildqualität ist die Zahl jedoch zweitrangig. Entscheidend ist die Größe des Sensors, auf dem diese Pixel sitzen.
Ein größerer Sensor fängt mehr Licht ein. Das führt zu weniger Bildrauschen bei schlechten Lichtverhältnissen und zu einem größeren Dynamikumfang, also der Fähigkeit, helle und dunkle Bereiche gleichzeitig detailreich darzustellen. Eine Kamera mit einem Vollformatsensor liefert in der Dämmerung deutlich sauberere Bilder als eine Kamera mit einem kleinen Smartphone-Sensor. Achten Sie im Datenblatt daher zuerst auf die Sensorgröße. Die gängigen Klassen sind Vollformat, APS-C, Micro Four Thirds und die kleineren Sensoren in Kompaktkameras. Je größer der Sensor, desto besser die Lichtausbeute, unabhängig von der Pixelzahl.
Eine zweite Zahl, die oft unterschätzt wird, ist die Pixelgröße. Sie ergibt sich aus der Sensorgröße geteilt durch die Megapixelzahl. Große Pixel sammeln mehr Licht pro Bildpunkt. Wenn zwei Kameras gleich viele Megapixel haben, ist die Kamera mit dem größeren Sensor im Vorteil, weil ihre Pixel größer sind.
Blende und Brennweite
Beim Objektiv stehen zwei Angaben im Mittelpunkt: die Brennweite und die maximale Blendenöffnung. Die Brennweite, angegeben in Millimetern, bestimmt den Bildwinkel. Kleine Werte ergeben ein weites Sichtfeld, große Werte einen engen Ausschnitt. Bei Kameras mit Wechselobjektiven steht diese Angabe am Objektiv selbst. Bei Kompaktkameras finden Sie oft einen Bereich, der den Zoomumfang beschreibt.
Die Blendenöffnung, angegeben als f-Wert, gibt an, wie viel Licht das Objektiv durchlässt. Ein kleinerer f-Wert bedeutet eine größere Öffnung und damit mehr Licht. Das ist besonders wichtig für Aufnahmen bei schwachem Licht und für unscharfe Hintergründe. Ein Objektiv mit kleinem f-Wert lässt deutlich mehr Licht ein als eines mit großem f-Wert. Achten Sie auf die maximale Blende am kurzen und am langen Ende des Zooms. Viele günstige Zoomobjektive haben am Teleende nur noch eine kleine Blendenöffnung, was bei Dämmerung schnell an Grenzen stößt.
Seien Sie vorsichtig bei der Angabe des Zoomfaktors. Ein hoher Zoomfaktor klingt beeindruckend, verrät aber nichts über die Bildqualität. Entscheidend ist der tatsächliche Brennweitenbereich. Ein Zoomobjektiv mit anderem Brennweitenbereich ist nicht dasselbe, auch wenn der Zoomfaktor gleich ist. Zudem gilt: Je größer der Zoombereich, desto mehr Kompromisse bei der Bildschärfe sind meist nötig.
Autofokus: Abdeckung zählt
Die Anzahl der Autofokuspunkte wird im Datenblatt groß herausgestellt. Für die Praxis ist sie weniger wichtig als die Abdeckung des Bildfeldes und die Art des Autofokus-Systems. Moderne Kameras haben oft mehrere hundert oder sogar tausend Messpunkte. Entscheidend ist, wie viel von der Bildfläche diese Punkte abdecken. Eine hohe Abdeckung bedeutet, dass Sie auch Motive am Bildrand scharf stellen können, ohne die Kamera neu ausrichten zu müssen.
Wichtiger als die reine Anzahl ist die Technik dahinter. Phasenautofokus arbeitet schnell und eignet sich gut für bewegte Motive. Kontrastautofokus ist langsamer, dafür bei ruhigen Motiven oft präziser. Viele aktuelle Kameras kombinieren beide Verfahren oder setzen auf Hybridsysteme. Achten Sie im Datenblatt auf Begriffe wie "Augenerkennung" oder "Gesichtserkennung". Diese Funktionen sind in der Praxis oft wertvoller als eine hohe Punktzahl, weil sie das Motiv zuverlässig verfolgen, ohne dass Sie den Fokuspunkt manuell setzen müssen.
Ein weiterer Punkt ist die Empfindlichkeit des Autofokus bei wenig Licht. Ein Wert wie "-4 EV" bedeutet, dass die Kamera auch in sehr dunklen Umgebungen noch scharfstellen kann. Diese Angabe finden Sie nicht immer im Datenblatt. Wenn sie vorhanden ist, verrät sie mehr über die Alltagstauglichkeit als die Anzahl der Messpunkte.
Akku: CIPA-Werte einordnen
Die Akkulaufzeit wird im Datenblatt meist als Zahl nach dem CIPA-Standard angegeben. CIPA steht für Camera & Imaging Products Association, einen Herstellerverband, der ein einheitliches Messverfahren festgelegt hat. Die Zahl gibt an, wie viele Bilder eine Kamera mit einer Ladung aufnehmen kann, wenn sie nach einem festgelegten Testmuster verwendet wird. Dieser Test simuliert typisches Fotografieren mit Auslösen, Zoomen und gelegentlichem Einschalten des Displays.
In der Praxis weicht die tatsächliche Laufzeit oft davon ab. Wenn Sie viele Bilder in schneller Folge aufnehmen, hält der Akku länger, weil die Kamera weniger oft in den Standby-Modus wechselt. Wenn Sie dagegen lange durch den Sucher schauen, Videos drehen oder das Display dauerhaft eingeschaltet lassen, sinkt die Zahl deutlich. Auch die Umgebungstemperatur spielt eine Rolle: Bei Kälte entlädt sich der Akku schneller.
Vergleichen Sie die CIPA-Werte verschiedener Kameras immer untereinander, nicht mit Ihren eigenen Erfahrungen. Eine Kamera mit einem niedrigeren CIPA-Wert kann im Alltag länger durchhalten als eine mit einem höheren, wenn sie einen effizienteren Energiemodus hat. Entscheidend ist außerdem, ob die Kamera über USB geladen werden kann. Das erlaubt es, unterwegs mit einer Powerbank nachzuladen, was die Akkulaufzeit in der Praxis wichtiger macht als die reine CIPA-Zahl.