Wer Kinder beim Toben, Hunde im Sprint oder Spieler auf dem Platz fotografiert, verlangt von der Kamera mehr als ein gutes Bild. Das Motiv bewegt sich schnell und unvorhersehbar; die Kamera muss genau in dem Moment scharfstellen, in dem Sie auslösen.
Vier Fähigkeiten entscheiden, ob das gelingt: ein schneller Autofokus, eine zuverlässige Nachführung des bewegten Motivs, eine hohe Serienbildgeschwindigkeit und kurze Verschlusszeiten. Dazu kommt ein Objektiv, das weit genug heranholt. Sie brauchen dafür kein teures Profi-Gehäuse, aber Sie sollten wissen, worauf Sie bei diesen Punkten achten.
Autofokus und Nachführung
Der Autofokus entscheidet, ob ein bewegtes Motiv scharf wird. Ältere Kameras mit Kontrastmessung brauchten lange und suchten oft hin und her. Moderne spiegellose Kameras haben Phasenmesspunkte direkt auf dem Sensor. Dadurch stellen sie schnell und präzise über das ganze Bildfeld scharf. Für Sport und Tiere brauchen Sie eine Kamera, die kontinuierlich nachschärft, während das Motiv sich bewegt. Diese Betriebsart heißt bei Nikon und Sony AF-C, bei Canon AI Servo. Der Autofokus hält dabei das Motiv im Fokus, statt nach jedem Bild neu zu messen.
Die Nachführung ist der zweite Teil der Aufgabe. Sie sperrt sich auf ein Motiv fest und folgt ihm durch das Bild, auch wenn es kurz hinter einem anderen Spieler oder einem Ast verschwindet. Moderne Systeme erkennen Gesichter und Augen von Menschen und Tieren. Sie halten die Schärfe auf dem Auge, wo sie bei Porträts und Tieraufnahmen sitzen soll. Die Zahl der Fokuspunkte sagt wenig über die Qualität aus. Wichtiger ist, wie zuverlässig das System ein Motiv über mehrere Sekunden hält und wie schnell es das Motiv wiederfindet, wenn es kurz verdeckt war. Diese Eigenschaft lässt sich nur im Praxistest beurteilen, am besten mit dem Motiv, das Sie wirklich fotografieren wollen.
Serienbildgeschwindigkeit
Die Serienbildgeschwindigkeit gibt an, wie viele Bilder die Kamera pro Sekunde aufnimmt. Für Sport und schnelle Bewegungen sind zehn Bilder pro Sekunde ein guter Ausgangspunkt. Viele Sportkameras schaffen deutlich mehr. Der Vorteil liegt auf der Hand: Bei einem Sprung oder einem Tor haben Sie mehrere Aufnahmen zur Auswahl und finden eher den Moment, in dem alles stimmt. Wichtig ist dabei auch der Puffer, also wie viele Bilder die Kamera am Stück speichert, bevor sie langsamer wird. Wer in RAW fotografiert, füllt den Puffer schneller als mit JPEG, weil jede Datei mehr Daten enthält.
Ein elektronischer Verschluss erlaubt besonders hohe Serienraten, weil er ohne mechanische Teile auskommt. Er hat aber eine Schwäche: Bei sehr schnellen Motiven und schnellen Schwenks kann das Bild verzerrt wirken, weil der Sensor das Bild zeilenweise ausliest. Das nennt man Rolling Shutter. Bei Sportaufnahmen mit viel Bewegung lohnt sich deshalb der mechanische Verschluss, auch wenn er etwas langsamer ist. Eine hohe Serienrate ersetzt übrigens kein gutes Timing. Wer den entscheidenden Moment vorausahnt und genau dann auslöst, bekommt oft das bessere Bild als jemand, der einfach viele Bilder schießt.
Verschlusszeit
Die Verschlusszeit bestimmt, wie lange Licht auf den Sensor fällt, und damit, ob Bewegung eingefroren wird. Je schneller sich das Motiv quer durch das Bild bewegt und je näher es an der Kamera ist, desto kürzer muss die Verschlusszeit sein. Auch ein langes Teleobjektiv verstärkt die Bewegung im Bild, weil es den Ausschnitt vergrößert.
Kurze Verschlusszeiten brauchen Licht. Bei sehr kurzen Verschlusszeiten fällt nur wenig Licht auf den Sensor, deshalb brauchen Sie entweder eine große Blendenöffnung am Objektiv oder eine höhere ISO-Einstellung. Moderne Kameras liefern auch bei ISO 1600 noch brauchbare Bilder, und die automatische ISO-Anpassung regelt das meist zuverlässig. Eine andere Technik ist das Mitziehen, auch Panning genannt. Sie schwenken die Kamera mit dem Motiv und wählen eine längere Verschlusszeit. Das Motiv bleibt scharf, der Hintergrund wird zu Bewegungsunschärfe. Das braucht Übung, ergibt aber dynamische Bilder, gerade bei Sport.
Teleobjektiv
Für Sport und Tiere stehen Sie selten direkt am Geschehen. Ein Teleobjektiv holt das Motiv heran. Die Brennweite in Millimetern gibt an, wie stark es vergrößert. Ein Teleobjektiv mit mittlerer Brennweite ist der Klassiker für Sport. Für Tiere und Vögel sind längere Brennweiten üblich. Kameras mit kleinerem Sensor, zum Beispiel APS-C, vergrößern den Bildausschnitt zusätzlich. Ein Objektiv wirkt dort länger, weil der Sensor einen kleineren Teil des Bildkreises nutzt. Das ist ein günstiger Weg, um Reichweite zu bekommen.
Die Blendenöffnung ist beim Teleobjektiv genauso wichtig wie die Brennweite. Ein Objektiv mit einer großen Öffnung lässt mehr Licht durch als eines mit kleiner Öffnung. Das hilft bei kurzen Verschlusszeiten und beim Autofokus in dunklen Hallen oder bei Dämmerung. Solche Objektive sind schwer und teuer, aber für ernsthafte Sport- und Tierfotografie lohnt sich die Investition. Ein Bildstabilisator im Objektiv oder in der Kamera reduziert das Verwackeln aus der Hand, er friert aber keine Bewegung ein. Für schnelle Motive bleibt die kurze Verschlusszeit entscheidend.
Welche Kamera zu Ihnen passt
Spiegellose Kameras mit Wechselobjektiven sind heute der Standard für Sport und Action. Ihr Autofokus arbeitet direkt auf dem Sensor und die Nachführung ist meist besser als bei älteren Spiegelreflexkameras. Spiegelreflexkameras sind weiterhin brauchbar, aber die Hersteller bauen ihre Objektivsysteme dafür kaum noch aus. Wenn Sie neu einsteigen, lohnt sich der Griff zu einer spiegellosen Kamera.
Bridgekameras mit fest verbautem Superzoom-Objektiv sind die günstige Alternative. Sie bieten viel Brennweite für wenig Geld. Dafür sind Autofokus und Serienbildgeschwindigkeit meist langsamer, und der kleine Sensor liefert bei wenig Licht schnell rauschende Bilder. Für gelegentliche Sportfotos am Tag reicht das, für ernsthafte Aufnahmen in der Halle nicht. Smartphones haben in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht, scheitern aber an schneller Bewegung und an der Reichweite. Wer regelmäßig Sport, Kinder oder Tiere fotografieren will, kommt um eine Kamera mit Wechselobjektiv nicht herum.
Einstellungen für den Start
Für den Anfang stellen Sie die Kamera auf die Zeitvorwahl, bei Nikon und Canon mit S oder Tv bezeichnet. Sie wählen die Verschlusszeit, die Kamera passt Blende und ISO automatisch an. Bei Sport beginnen Sie mit einer sehr kurzen Verschlusszeit, bei Tieren, die stillstehen, reicht oft eine längere. Stellen Sie den Autofokus auf kontinuierliche Nachführung und die Serienbildfunktion auf die hohe Geschwindigkeit. Den Fokusbereich stellen Sie auf eine breite Zone oder auf eine flexible Messfeldgröße, die Sie mit dem Joystick oder Touchscreen auf das Motiv schieben.
Üben Sie das Mitziehen und das Halten des Fokuspunkts auf dem Motiv. Bei Menschen halten Sie die Schärfe auf den Augen, bei Tieren auf dem Kopf. Wenn die Kamera das Motiv verliert, lösen Sie kurz aus und setzen neu an. Die automatische ISO-Anpassung können Sie anlassen, sie verhindert, dass Bilder bei kurzen Verschlusszeiten zu dunkel werden. Prüfen Sie nach den ersten Aufnahmen, ob die Verschlusszeit für die Bewegung reicht, und korrigieren Sie bei Bedarf.