Kameras und Objektive für die Tierfotografie

Tiere halten selten still, und meist kommen Sie ihnen nicht nahe genug, um mit einem normalen Objektiv zu fotografieren. Deshalb brauchen Sie eine lange Brennweite, einen schnellen Autofokus und eine Kamera, die mehrere Bilder pro Sekunde aufnimmt.

Bei Vögeln, Rehen oder Füchsen müssen Sie Distanz, Brennweite und Kameraeinstellungen aufeinander abstimmen. Je weiter das Tier entfernt ist, desto länger muss die Brennweite sein. Je schneller es sich bewegt, desto wichtiger sind Autofokus und Serienbild.

Warum die Distanz zum Tier so groß ist

Wildtiere meiden Menschen. Ein Fuchs, ein Reh oder ein Greifvogel lässt Sie nicht näher herankommen, bevor es flieht. Vögel sitzen oft auf Ästen, die mehrere Dutzend Meter entfernt sind, oder fliegen in großer Höhe. Die Distanz zum Motiv ist also meist groß, und Anschleichen verringert sie nur selten. Das bedeutet für die Ausrüstung: Die Brennweite muss das Tier nah heranholen, nicht Ihre Füße.

Wie weit Sie entfernt stehen, hängt stark von der Art ab. Ein Singvogel füllt den Bildausschnitt erst bei langer Brennweite, ein Reh auf einer Wiese kommt auch mit kürzerer Brennweite groß genug ins Bild. Wenn Sie beides fotografieren wollen, wählen Sie ein Objektiv mit verstellbarer Brennweite, ein sogenanntes Zoom.

Brennweite und Sensorgröße beim Teleobjektiv

Ein Teleobjektiv hat eine lange Brennweite und vergrößert entfernte Motive. Für die Tierfotografie sind lange Brennweiten nötig, für Vögel besonders lange. Ein Zoom mit einem großen Brennweitenbereich deckt viele Situationen ab und ist für den Einstieg eine gute Wahl.

Die Sensorgröße der Kamera bestimmt den Bildausschnitt. Eine Kamera mit kleinerem Sensor, etwa mit APS-C-Format, schneidet das Bild stärker zu als eine Vollformatkamera. Ein Objektiv wirkt an einer APS-C-Kamera dadurch wie ein Objektiv mit längerer Brennweite an einer Vollformatkamera. Sie bekommen also mehr Reichweite, ohne ein längeres Objektiv zu kaufen. Dafür ist der Bildausschnitt enger, was bei sehr nahen Tieren zum Problem werden kann.

Autofokus für bewegte Tiere

Tiere bewegen sich unvorhersehbar und sind oft nur kurz zu sehen. Ein Autofokus, der langsam nachführt, verpasst den Moment. Moderne Kameras bieten eine kontinuierliche Scharfstellung, bei der die Kamera das Motiv ständig verfolgt, und viele erkennen zusätzlich Augen von Tieren. Diese Tiererkennung stellt auf das Auge scharf. Bei Porträts von Vögeln und Säugetieren macht das den Unterschied zwischen einem brauchbaren und einem scharfen Bild.

In der Praxis stellen Sie den Autofokus auf kontinuierliche Nachführung. Die Kamera verfolgt dann das Tier. Solange das Auge im Sucher zu sehen ist, hält die Kamera darauf scharf. Bei schnellen Bewegungen, etwa einem abfliegenden Vogel, hilft es, den Auslöser schon vorher halb durchzudrücken, damit die Kamera das Motiv erfasst, bevor es den Bildausschnitt verlässt.

Mehr Chancen mit dem Serienbild

Ein einzelnes Foto reicht bei bewegten Tieren selten. Der entscheidende Moment, etwa der Start eines Vogels oder der Sprung eines Rehs, dauert Bruchteile einer Sekunde. Die Serienbildfunktion nimmt in dieser Zeit mehrere Bilder pro Sekunde auf, sodass Sie hinterher das schärfste auswählen können.

Sie müssen nicht bei jeder Aufnahme die höchste Bildrate verwenden. Sitzt ein Tier ruhig da, genügt ein Einzelbild, das spart Speicherplatz und erleichtert die Auswahl. Beginnt das Tier sich zu bewegen, wechseln Sie in den Serienmodus und halten den Auslöser gedrückt, bis die Bewegung vorbei ist. Die Kamera puffert die Bilder und schreibt sie auf die Speicherkarte; eine schnelle Karte verhindert, dass die Serie abbricht.

Bildstabilisierung gegen Verwackeln

Lange Brennweiten vergrößern nicht nur das Motiv, sondern auch jedes Verwackeln der Kamera, sodass schon ein leichtes Zittern der Hände das Bild so stark verschiebt, dass es unscharf wird. Die Bildstabilisierung gleicht diese Bewegung aus, entweder im Objektiv oder im Kameragehäuse. Sie erlaubt schärfere Aufnahmen bei längeren Belichtungszeiten, etwa wenn Sie aus der Hand fotografieren.

Die Stabilisierung hilft aber nur gegen das Verwackeln der Kamera, nicht gegen die Bewegung des Tiers. Ein laufendes Reh oder ein fliegender Vogel braucht eine kurze Belichtungszeit, sonst wird das Tier unscharf, auch wenn die Kamera stillsteht. Nutzen Sie die Stabilisierung also, um die Kamera ruhig zu halten, und wählen Sie die Belichtungszeit so kurz, dass sie die Bewegung des Tiers einfriert.

Einstellungen für die Praxis

Für Vögel und andere schnelle Tiere gilt: Die Belichtungszeit muss kurz genug sein, um die Bewegung einzufrieren. Flügelschläge und schnelle Sprints verwischen bei langen Belichtungszeiten. Erhöhen Sie bei wenig Licht den ISO-Wert, statt die Belichtungszeit zu verlängern. Eine höhere Empfindlichkeit erzeugt zwar mehr Bildrauschen, liefert aber ein scharfes Bild, das sich nachträglich bearbeiten lässt.

So gehen Sie in der Praxis vor: Stellen Sie die Belichtungszeit auf einen kurzen Wert, wählen Sie eine Blende mit genug Schärfentiefe und lassen Sie die Kamera den ISO-Wert automatisch anpassen. Bei ruhigen Motiven können Sie die Belichtungszeit verlängern und den ISO-Wert senken. Die genauen Werte hängen von Licht, Objektiv und Motiv ab; probieren Sie aus, was in Ihrer Situation funktioniert.