Optischer und digitaler Zoom im Vergleich

Beim Kauf einer Kamera oder eines Smartphones sehen Sie Angaben wie 10x oder 50x Zoom. Die Zahl klingt beeindruckend, sagt aber wenig über die Bildqualität aus, denn es gibt zwei Zoomarten, die Hersteller oft zusammenzählen.

Optischer Zoom vergrößert das Motiv mit beweglichen Linsen, bevor das Bild den Sensor trifft. Digitaler Zoom schneidet aus dem fertigen Bild einen Ausschnitt heraus und rechnet ihn hoch. Optischer Zoom erhält die Bildqualität, digitaler Zoom senkt sie. Um Werbeangaben richtig einzuordnen, müssen Sie wissen, welcher Zoomanteil zählt.

So funktioniert optischer Zoom

Optischer Zoom verändert die Brennweite des Objektivs, also den Abstand zwischen Linse und Bildsensor. Dazu bewegen sich Linsengruppen im Objektiv zueinander. Dadurch erscheint das Motiv bereits bei der Aufnahme näher, ohne dass die Kamera das Bild nachträglich verändert. Die Bildqualität bleibt erhalten, weil der Sensor weiterhin die volle Fläche nutzt. Auch bei schlechtem Licht hat der optische Zoom einen Vorteil, weil er keine rechnerische Nachbearbeitung braucht.

Ein Punkt wird oft übersehen: Nicht jedes Objektiv liefert bis zur maximalen Brennweite ein sauberes Bild. Bei starker Vergrößerung können Objektivfehler auftreten, die das Bild kontrastarm oder unscharf machen. Ein 10x optischer Zoom bedeutet also nicht automatisch, dass jede Stufe gleich scharf ist. Trotzdem ist der optische Zoom die einzige Vergrößerungsart, die ohne Qualitätsverlust auskommt.

So funktioniert digitaler Zoom

Digitaler Zoom hat mit dem Objektiv nichts zu tun. Die Kamera nimmt das Bild mit der vorhandenen Brennweite auf und schneidet anschließend einen Ausschnitt aus dem Sensor heraus. Diesen Ausschnitt rechnet sie auf die volle Bildgröße hoch. Das Ergebnis entspricht im Prinzip einem Bild, das Sie am Computer beschnitten und vergrößert haben. Die Details, die zwischen den Bildpunkten fehlen, kann keine Software zurückholen. Je stärker der digitale Zoom, desto weicher und unschärfer wird das Bild.

Viele Smartphones kombinieren beide Verfahren. Sie nutzen den optischen Zoom so weit wie möglich und ergänzen ihn durch digitales Nachschneiden. Manche Hersteller nennen das Hybridzoom oder verlustfreien Zoom. Verlustfrei ist das nur, wenn der Sensor mehr Bildpunkte liefert, als das Endbild braucht. Dann kann die Kamera einen Ausschnitt in Originalauflösung ausgeben, ohne hochrechnen zu müssen. Sobald der Ausschnitt kleiner wird als die Zielauflösung, sinkt die Qualität wie bei jedem digitalen Zoom.

Warum Werbezahlen täuschen

Die Werbung nennt meist den Gesamtzoom, also das Produkt aus optischem und digitalem Zoom. Ein Objektiv mit 5x optischem Zoom und 10x digitalem Zoom ergibt zusammen 50x. Diese Zahl klingt nach einem Fernglas, liefert aber bei voller Vergrößerung ein matschiges Bild. Entscheidend ist allein der optische Zoomfaktor, denn nur er bestimmt, wie viel Detail die Kamera auflöst.

Auch die Angabe des Brennweitenbereichs hilft Ihnen, Werbeversprechen einzuordnen. Ein Objektiv mit kürzerer Anfangsbrennweite zeigt einen weiteren Bildwinkel als eines mit längerer Anfangsbrennweite. Bei gleichem Zoomfaktor endet das erste bei einer kürzeren maximalen Brennweite, das zweite bei einer längeren. Das zweite holt Motive also deutlich näher heran. Zwei Kameras mit 10x optischem Zoom können deshalb unterschiedlich weit heranholen. Prüfen Sie immer, ob die Angabe den optischen oder den kombinierten Zoom meint.

Worauf Sie beim Kauf achten sollten

Der richtige Zoombereich hängt davon ab, was Sie fotografieren. Drei typische Einsatzfälle zeigen, worauf es ankommt.

Für Reisende

Reisende tragen ihre Ausrüstung oft den ganzen Tag. Ein kompaktes Gehäuse mit einem optischen Zoom von 3x bis 5x deckt die meisten Situationen ab, von der Straßenszene bis zum Detail am Gebäude. Wenn Sie auch Landschaften aufnehmen wollen, sollten Sie auf einen weiten Bildwinkel am unteren Ende des Zoombereichs achten. Eine große Brennweite nützt wenig, wenn Sie dafür ein schweres Objektiv mitschleppen müssen.

Für Familien

Familien fotografieren Kinder, Feiern und Ausflüge, oft bei wechselndem Licht. Wichtiger als ein großer Zoombereich sind ein schneller Autofokus und eine gute Lichtstärke. Ein Objektiv mit großer Blendenöffnung, also kleiner Blendenzahl, lässt mehr Licht auf den Sensor und liefert auch in Innenräumen scharfe Bilder, ohne dass der Blitz eingreifen muss. Ein optischer Zoom von 3x bis 5x reicht für den Alltag meist aus.

Für Tierfotografen

Tierfotografie braucht echten Telebereich. Hier zählt der optische Zoom am oberen Ende, also eine lange Brennweite, denn Tiere lassen sich selten aus der Nähe aufnehmen. Ein optischer Zoom von 10x oder mehr ist hilfreich, ebenso ein Bildstabilisator, der Verwacklungen bei langen Brennweiten ausgleicht. Digitale Zoomstufen helfen bei Tieren kaum, weil sie Details weichzeichnen, die bei der Entfernung ohnehin knapp sind.

Unabhängig vom Einsatzzweck gilt: Achten Sie auf den optischen Zoomfaktor und die Brennweite in Millimetern, nicht auf die Gesamtzahl im Werbeprospekt. Testen Sie die Kamera wenn möglich im Geschäft, zoomen Sie bis zum Anschlag und prüfen Sie, ob das Bild scharf bleibt. Ein großer Zoombereich nützt nichts, wenn die Ergebnisse ab der Mitte unscharf werden.