Sensorgrößen von Vollformat bis 1 Zoll einfach erklärt
Beim Kauf einer neuen Kamera stoßen Sie auf Begriffe wie Vollformat, APS-C oder Micro Four Thirds. Diese Begriffe bezeichnen die Größe des Bildsensors, also der Fläche im Kameragehäuse, auf die das Objektiv das Licht projiziert. Die Sensorgröße bestimmt die Bildqualität stärker als die Megapixelzahl. Sie entscheidet, wie viel Licht die Kamera einfängt, wie stark Bilder bei Dunkelheit rauschen, wie weich der Hintergrund wird und wie groß die Ausrüstung ausfällt.
Die vier gängigen Formate unterscheiden sich in diesen Punkten deutlich. Welche Größe zu Ihren Aufnahmen passt, hängt davon ab, ob Sie Wert auf Lichtstärke, geringes Rauschen, Hintergrundunschärfe oder kompakte Bauweise legen.
Wie die Sensorgröße die Bildqualität beeinflusst
Ein größerer Sensor fängt mehr Licht ein, weil er eine größere Fläche hat. Das klingt banal, hat aber große Folgen. Auf dieser Fläche sitzen die Bildpunkte, die Pixel. Bei gleicher Megapixelzahl sind die Pixel auf einem großen Sensor größer als auf einem kleinen. Größere Pixel sammeln mehr Photonen, bevor sie ein Signal auswerten. Das Ergebnis ist ein saubereres Bild mit weniger Rauschen, also weniger farbigem Grieseln und Helligkeitsschwankungen, besonders bei schwachem Licht und hohen ISO-Werten.
Größere Sensoren haben auch einen höheren Dynamikumfang. Der Dynamikumfang ist die Fähigkeit, gleichzeitig helle und dunkle Bereiche mit Zeichnung darzustellen. Wenn Sie ein Fenster fotografieren und gleichzeitig die Details im dunklen Raum sehen möchten, gelingt das mit einem Vollformat-Sensor eher als mit einem 1-Zoll-Sensor. In der Praxis heißt das: Sie können dunkle Bildpartien nachträglich aufhellen, ohne dass das Bild sofort körnig wird.
Ein Beispiel aus dem Alltag: Sie fotografieren Ihre Familie beim Abendessen bei Kerzenlicht. Mit einer Vollformat-Kamera erhalten Sie ein ruhiges, detailreiches Bild, selbst wenn Sie die ISO-Zahl erhöhen müssen. Mit einer Kompaktkamera mit 1-Zoll-Sensor wird dasselbe Motiv sichtbar körniger und die Farben wirken flacher. Beide Kameras liefern ein Bild, aber die Qualitätsdifferenz ist deutlich sichtbar.
Sensorgröße und Tiefenschärfe
Die Sensorgröße beeinflusst auch, wie viel von Ihrem Motiv scharf abgebildet wird. Die Schärfentiefe ist der Bereich vor und hinter der Fokusebene, der scharf erscheint. Bei gleicher Blende und gleichem Bildausschnitt ist sie bei größeren Sensoren geringer. Ein Vollformat-Sensor erzeugt bei offener Blende also eine stärkere Hintergrundunschärfe, das beliebte Bokeh, als ein kleinerer Sensor mit derselben Einstellung.
Für Porträts ist das ein Vorteil, weil das Gesicht scharf aus dem unscharfen Hintergrund heraussticht. Für Landschaftsaufnahmen, bei denen Sie Vorder- und Hintergrund scharf haben möchten, müssen Sie bei Vollformat stärker abblenden, also eine kleinere Blendenöffnung wählen. Das gleicht den Vorteil teilweise aus, kostet aber nichts, weil Sie die Blende einfach schließen können. Mit einem kleinen Sensor lässt sich eine geringe Schärfentiefe nur schwer erzeugen. Ein 1-Zoll-Sensor liefert selbst bei offener Blende fast durchgehend scharfe Bilder. Das ist für Dokumentationsaufnahmen praktisch, für kreative Porträts aber einschränkend.
Kameragröße, Objektive und Kosten
Die Sensorgröße bestimmt die Größe des gesamten Systems. Ein Vollformat-Sensor benötigt ein größeres Gehäuse, einen größeren Spiegelkasten bei Spiegelreflexkameras und vor allem größere Objektive. Ein Objektiv für Vollformat ist deutlich dicker und schwerer als ein entsprechendes Objektiv für Micro Four Thirds. Wer viel unterwegs ist, wandert oder reist, spürt diesen Unterschied nach ein paar Stunden deutlich.
Kleinere Sensoren machen kompaktere Kameras möglich. Micro-Four-Thirds-Kameras sind deutlich leichter als Vollformat-Modelle, und 1-Zoll-Sensoren stecken in Kompaktkameras, die in eine Jackentasche passen. Dafür müssen Sie bei der Bildqualität Abstriche machen, wie oben beschrieben.
Die Kosten folgen derselben Logik. Vollformat-Kameras und ihre Objektive sind teurer als APS-C- oder Micro-Four-Thirds-Systeme. Die Preise für gebrauchte Vollformat-Kameras sind in den letzten Jahren gesunken, sodass der Einstieg günstiger geworden ist. Dennoch bleibt das Objektivsortiment der entscheidende Kostenfaktor: Ein Satz guter Vollformat-Objektive kostet schnell ein Vielfaches des Kameragehäuses.
Vollformat, APS-C, Micro Four Thirds und 1 Zoll im Vergleich
Vollformat ist der Referenzstandard. Der Sensor ist etwa so groß wie ein Kleinbildfilm. Diese Kameras bieten die beste Bildqualität, das geringste Rauschen und die größte Auswahl an Objektiven mit lichtstarken Festbrennweiten. Sie eignen sich für Profis, anspruchsvolle Amateure und alle, die regelmäßig bei wenig Licht fotografieren oder Wert auf maximale Kontrolle der Schärfentiefe legen. Die Nachteile sind Gewicht, Größe und Preis.
APS-C ist der Kompromiss. Der Sensor ist deutlich kleiner als Vollformat. Die Bildqualität ist sehr gut, das Rauschen bei hohen ISO-Werten liegt nur wenig über dem Vollformat-Niveau. APS-C-Kameras sind spürbar günstiger und kompakter, und die Objektive sind kleiner und leichter. Für die meisten Hobbyfotografen ist APS-C die vernünftige Wahl, weil diese kaum Einschränkungen spüren, aber deutlich weniger bezahlen.
Micro Four Thirds nutzt einen deutlich kleineren Sensor. Die Systeme sind besonders kompakt, und die Objektivauswahl ist wegen des kleineren Bildkreises sehr günstig und leicht. Die Bildqualität ist für Alltagsaufnahmen völlig ausreichend, aber bei Dunkelheit und für starke Hintergrundunschärfe stoßen Sie schneller an Grenzen. Micro Four Thirds eignet sich für Reisefotografie, Streetfotografie und alle, die eine kleine, unauffällige Ausrüstung bevorzugen.
1-Zoll-Sensor ist die Größe vieler Kompaktkameras und einiger Bridgekameras. Diese Kameras sind winzig und oft mit einem fest verbauten Zoomobjektiv ausgestattet. Die Bildqualität ist deutlich besser als bei Smartphones, aber spürbar schlechter als bei den größeren Formaten, besonders bei wenig Licht. Ein 1-Zoll-Sensor ist die richtige Wahl, wenn Sie eine Kamera für die Jackentasche suchen und bereit sind, bei Dunkelheit Kompromisse einzugehen.
Welche Sensorgröße für wen geeignet ist
Die Entscheidung hängt von Ihren Motiven und Ihrer Bereitschaft ab, Gewicht zu tragen. Wenn Sie hauptsächlich bei Tageslicht fotografieren, etwa auf Reisen oder bei Familienfeiern, reicht ein APS-C-Sensor völlig aus. Die Bildqualität ist exzellent, und Sie sparen Geld und Gewicht. Wenn Sie häufig in Innenräumen, abends oder nachts fotografieren, also bei wenig Licht, lohnt sich der Aufpreis für Vollformat. Das geringere Rauschen und der höhere Dynamikumfang machen sich genau dort bezahlt.
Wenn Sie Wert auf eine kleine Kamera legen, die Sie immer dabeihaben, ist ein 1-Zoll-Modell oder eine Micro-Four-Thirds-Kamera die bessere Wahl. Eine Kamera, die zu Hause im Schrank liegt, weil sie zu schwer ist, liefert keine guten Bilder. Bedenken Sie auch die Objektive: Ein Vollformat-System wächst mit jedem zusätzlichen Objektiv in Größe und Kosten. Planen Sie nicht nur das Gehäuse, sondern das gesamte System, das Sie in zwei oder drei Jahren besitzen möchten.
Ein praktischer Tipp für den Kauf: Gehen Sie in ein Fachgeschäft und halten Sie die Kameras in die Hand. Die technischen Daten sagen wenig darüber aus, ob Sie eine schwere Vollformat-Kamera über einen ganzen Tag tragen möchten. Nehmen Sie Ihr eigenes Objektiv mit, das Sie häufig nutzen, und testen Sie das Gewicht in der realen Kombination.