Eine Spiegelreflexkamera (DSLR) lenkt das Licht über einen Spiegel in den optischen Sucher. Beim Auslösen klappt der Spiegel hoch und das Licht fällt auf den Bildsensor. Diese Bauweise ist nicht mehr der Standard, aber sie bleibt eine sinnvolle Wahl, wenn Sie bereits Objektive besitzen, hauptsächlich Fotos machen und den optischen Sucher schätzen.
Was der Spiegel praktisch bedeutet
Der wichtigste Unterschied zwischen DSLR und spiegelloser Kamera liegt im Sucher. Bei der DSLR sehen Sie die Szene direkt durch das Objektiv, ohne dass ein Display dazwischengeschaltet ist. Das Bild ist sofort da, ohne Verzögerung, und zeigt Bewegungen so, wie sie sind. Bei einer spiegellosen Kamera erzeugt ein elektronischer Sucher das Bild. Dafür kann er vor der Aufnahme bereits Belichtung, Farben und andere Einstellungen anzeigen. So können Sie die Wirkung direkt beurteilen.
Der Autofokus hängt stark vom konkreten Modell ab. Die Nikon D6 etwa bietet bei Aufnahmen durch den Sucher 105 Kreuzsensoren, ein Wert, der auch heute noch konkurrenzfähig ist. Aussagen wie "DSLR-Autofokus ist immer langsam" sind deshalb zu pauschal. Auch beim Filmen sind DSLRs nicht automatisch ungeeignet: Die D6 nimmt 4K-Video auf. Ob ein bestimmtes Modell für Ihre Videoanforderungen reicht, müssen Sie pro Kamera prüfen.
Das spricht weiterhin für eine DSLR
Die stärksten Argumente für eine DSLR sind der optische Sucher, vorhandene Ausrüstung und der Gebrauchtmarkt. Wenn Sie bereits mehrere passende Objektive und Blitzgeräte besitzen, ist der Wechsel zu einem neuen System teuer. Eine gebrauchte DSLR kann dann die günstigere Lösung sein, um mit Ihrer vorhandenen Ausrüstung weiter Fotos zu machen.
Für ruhige Motive wie Porträts, Landschaften oder Reisen reichen die Funktionen vieler DSLR-Modelle völlig aus. Wer den optischen Sucher als echtes Kaufargument sieht, weil er das unmittelbare Bild schätzt, findet in einer DSLR genau das. Auch als preiswerter Einstieg in die Fotografie kann eine gebrauchte DSLR sinnvoll sein, sofern Zustand und Objektivangebot stimmen.
Das spricht für ein spiegelloses System
Wer neu in ein Kamerasystem einsteigt, sollte sich ansehen, wohin sich der Markt entwickelt. Die Hersteller entwickeln inzwischen vor allem spiegellose Systeme, was sich auch in neuen Objektiven zeigt.
Ein elektronischer Sucher hat praktische Vorteile: Sie sehen vor der Aufnahme, wie Belichtung und Farben wirken, und können Einstellungen direkt beurteilen. Wer viel filmt oder moderne Motiverkennung und Autofokusfunktionen nutzen möchte, findet bei spiegellosen Kameras die größere Auswahl. Wenn Sie bei null anfangen und kein vorhandenes Objektivsystem mitbringen, ist ein spiegelloses System meist die zukunftssicherere Wahl.
Worauf Sie beim Gebrauchtkauf achten
Eine gebrauchte DSLR kann ein gutes Geschäft sein, aber der günstige Preis sollte nicht das einzige Kriterium sein. Prüfen Sie vor dem Kauf die wichtigsten Funktionen: Autofokus, Auslöser, Einstellräder, Sucher, Display und Kartenfach. Schauen Sie sich Sensor und Sucher auf Staub, Flecken oder Kratzer an, und machen Sie wenn möglich ein Testbild bei kleiner Blende.
Der Zählerstand der Auslösungen ist ein nützlicher Anhaltspunkt, aber kein vollständiges Urteil über den Zustand. Es gibt keine pauschale Grenze, ab der ein Body zuverlässig als abgenutzt gilt. Rechnen Sie außerdem den Zustand des Akkus ein und prüfen Sie, ob Ersatzakkus verfügbar sind. Beim Objektiv testen Sie Autofokus, Blende, Zoom oder Fokusring sowie die Linsenoberflächen.
Ein Punkt, den viele übersehen: die Reparaturmöglichkeit. Ob ein Modell repariert werden kann, hängt vom konkreten Gerät, dem Land und der Art des Schadens ab. Nikons japanische Reparaturübersicht führt zwar mehrere ältere DSLR-Modelle auf, das gilt aber nicht automatisch für andere Länder. Informieren Sie sich vor dem Kauf, ob für Ihr Modell in Ihrer Region noch Service und Ersatzteile verfügbar sind.
Objektive an spiegellosen Kameras nutzen
Wenn Sie später auf ein spiegelloses System wechseln möchten, können Sie DSLR-Objektive häufig über Adapter weiterverwenden. Die Kompatibilität hängt aber vom Anschluss, dem Objektiv und der gewünschten Funktion ab. Canon erklärt, dass sich EF-Objektive über Adapter an EOS-R-Kameras nutzen lassen, weist aber darauf hin, dass einzelne Funktionen bei bestimmten Objektiven abweichen können. Nikon nennt für den FTZ-II-Adapter eine abgestufte Kompatibilität: Autofokus funktioniert nur mit einer definierten Auswahl von AF-P-, AF-S- und AF-I-Objektiven.
Vor einem Systemwechsel sollten Sie deshalb nicht nur fragen, ob das Objektiv passt, sondern auch, ob Autofokus, Belichtungsmessung und Bildstabilisierung mit genau diesem Objektiv und Adapter funktionieren. Die Hersteller dokumentieren diese Einschränkungen in Kompatibilitätstabellen, die Sie vor dem Kauf prüfen sollten.