Beim Fotografieren oder Filmen aus der Hand verwackelt das Bild, weil die Hände nie ganz ruhig sind. Je länger die Belichtungszeit oder je stärker der Zoom, desto deutlicher fällt das Verwackeln aus. Ein Bildstabilisator gleicht diese Bewegungen aus, damit das Foto scharf und das Video ruhig bleibt.
Drei Bauweisen gibt es: Stabilisierung im Objektiv, im Kameragehäuse oder per Bildverarbeitung. Jede hat im Alltag spürbare Vor- und Nachteile.
Objektiv-Stabilisierung
Bei der optischen Stabilisierung im Objektiv sitzen ein oder mehrere Linsenelemente auf beweglichen Halterungen. Kleine Gyrosensoren im Objektiv messen, ob die Kamera nach oben, unten, links oder rechts kippt. Die Linsen werden dann in die entgegengesetzte Richtung verschoben, sodass das Licht trotz Kamera-Bewegung stabil auf den Sensor trifft.
Diese Technik hilft vor allem bei langen Brennweiten. Wenn Sie mit einem Teleobjektiv aus der Hand fotografieren, vergrößert sich jede kleine Handbewegung stark. Ein Objektiv mit Stabilisierung kann hier mehrere Belichtungsstufen herausholen, also deutlich längere Verschlusszeiten ermöglichen, ohne dass das Bild verwackelt. Ein typisches Beispiel: Sie fotografieren ein Tier im Wald bei schwachem Licht. Ohne Stabilisierung müssten Sie die Verschlusszeit kurz halten und riskieren ein dunkles Bild. Mit Stabilisierung können Sie die Zeit verlängern und trotzdem scharf abbilden.
Der Nachteil dieser Bauweise ist der Preis. Jedes Objektiv braucht eigene Motoren, Sensoren und die bewegliche Linsengruppe. Das macht stabilisierte Objektive teurer und schwerer als einfache Modelle. Wer mehrere Objektive besitzt, zahlt die Technik also mehrfach.
Sensor-Stabilisierung
Bei der Sensor-Stabilisierung, oft als IBIS abgekürzt, sitzt die Ausgleichsmechanik im Kameragehäuse. Der Bildsensor selbst ist auf einer Plattform montiert, die sich in alle Richtungen verschieben und leicht drehen kann. Die Gyrosensoren sitzen in der Kamera und melden die Bewegungen an die Mechanik, die den Sensor dann gegenhält.
Der große Vorteil: Jedes Objektiv, das Sie an die Kamera anschließen, profitiert von der Stabilisierung. Auch alte Objektive ohne eigene Technik werden stabilisiert, solange sie mechanisch passen. Das spart Geld, wenn Sie mehrere Objektive nutzen. Zudem kann die Sensor-Stabilisierung auch Drehbewegungen um die optische Achse ausgleichen. Bei der Objektiv-Stabilisierung ist das kaum möglich.
Bei sehr langen Brennweiten stößt die Sensor-Stabilisierung an ihre Grenzen. Der Sensor kann nur wenige Millimeter weit wandern. Bei einem starken Teleobjektiv reicht dieser Weg manchmal nicht aus, um die große Bildbewegung auszugleichen. Viele Hersteller kombinieren deshalb beide Systeme: Das Objektiv stabilisiert, und der Sensor unterstützt zusätzlich. So erreichen Sie die höchste Wirksamkeit.
Elektronische Stabilisierung
Die elektronische Stabilisierung arbeitet ohne bewegliche Teile. Sie kommt vor allem bei Smartphones und in Kameras für Videoaufnahmen zum Einsatz. Der Prozessor analysiert das Bild und erkennt, wie sich die Szene zwischen zwei Einzelbildern verschiebt. Anschließend wird das Bild so zugeschnitten und neu berechnet, dass die Bewegung ausgeglichen wirkt. Dafür wird ein Teil des Sensors als Puffer genutzt, der bei der Korrektur abgeschnitten wird.
Diese Methode hat zwei Grenzen. Erstens kann sie keine Bewegungsunschärfe entfernen. Wenn die Verschlusszeit zu lang ist und das Bild während der Aufnahme verwischt, bleibt dieser Schmiereffekt auch nach der elektronischen Korrektur sichtbar. Für scharfe Fotos brauchen Sie also weiterhin eine kurze Belichtungszeit. Zweitens kann die Software eine bewusste Kamerabewegung, etwa ein Schwenken, mit einem Verwackeln verwechseln. Sie versucht dann, den Schwenk auszugleichen, und das Ergebnis wirkt ruckartig oder nachziehend. Bei schnellen Schwenks oder Sportaufnahmen stört das deutlich. Für ruhige Videoaufnahmen aus der Hand, etwa beim Spazierengehen, liefert die elektronische Stabilisierung aber gute Ergebnisse, weil sie feine Zitterbewegungen zuverlässig glättet.
Was Sie beim Kauf beachten sollten
Die Wahl hängt davon ab, was Sie aufnehmen möchten. Wenn Sie hauptsächlich mit einem Teleobjektiv fotografieren, lohnt sich ein Objektiv mit optischer Stabilisierung. Für Alltagsfotografie mit verschiedenen Objektiven ist eine Kamera mit Sensor-Stabilisierung die flexiblere Lösung. Wenn Sie viel filmen, achten Sie darauf, dass die Kamera oder das Smartphone eine gute elektronische Stabilisierung bietet, und halten Sie die Verschlusszeit kurz genug, um Verwischungen zu vermeiden.
Ein Tipp für alle Systeme: Die Stabilisierung hilft gegen Verwackeln, nicht gegen Motivbewegung. Wenn Ihr Kind durchs Bild rennt oder ein Auto vorbeifährt, bleibt das Motiv unscharf, egal wie gut die Stabilisierung arbeitet. In solchen Situationen hilft nur eine kürzere Verschlusszeit. Und bei ruhiger Kamera auf einem Stativ sollten Sie die Stabilisierung ausschalten. Die Systeme arbeiten sonst gegen die eigene, vermeintliche Bewegung und machen das Bild leicht unruhig.