Wer mit der Kamera unterwegs ist, kennt den Moment, wenn die Akkuanzeige vor dem wichtigsten Motiv in den roten Bereich fällt. Der Akku ist das einzige Bauteil, das sich unterwegs nicht einfach nachkaufen lässt. Ein verlässlicher Plan braucht drei Bausteine: Verbrauch senken, einen geladenen Ersatzakku einplanen und Laden sowie Transport absichern.
Das funktioniert mit jedem Kameramodell. Hersteller-Versprechen sind dafür nicht nötig. Klare Handgriffe gibt es vor der Abfahrt, unterwegs, bei Kälte oder auf Flugreisen.
Akkuverbrauch senken
Die größte Stellschraube ist das Display. Wer es dauerhaft auf maximaler Helligkeit laufen lässt und nach jeder Aufnahme lange in die Wiedergabe schaut, verbraucht mehr Akku als jemand, der kurz auslöst und weitergeht. Eine pauschale Prozentzahl gibt es dafür nicht. Der Effekt hängt von Modell, Helligkeit und Umgebung ab. Du kannst diese Gewohnheiten ändern: Senke die Displayhelligkeit, kontrolliere Bilder nicht nach jeder Aufnahme lange, aktiviere die automatische Abschaltung und schalte Live-View, also die Vorschau auf dem Display, Video, WLAN, Bluetooth und GPS nur ein, wenn du sie wirklich brauchst. Vor dem Start einer Wanderung hilft es, nicht minutenlang Menüs und Bilder durchzusehen.
Wenn die Kamera einen elektronischen Sucher hat, also ein kleines Display im Okular, vergleiche vor der Reise Sucher und Display. Manche Modelle verbrauchen im Sucherbetrieb weniger als im Displaybetrieb, andere nicht. Ein kurzer Test zeigt, was bei deiner Kamera zutrifft. Auch Blitz und häufiger Zoom erhöhen den Verbrauch. Das steht auch in den Herstellerunterlagen.
Ein Ersatzakku reicht meist
Für die meisten Fototage reicht ein geladener Ersatzakku. Zwei oder drei sind selten nötig, wenn du vorher weißt, wie viel du tatsächlich fotografierst. Die Entscheidung hängt von deiner Nutzung ab:
- Kurzer Ausflug mit wenigen Fotos: der vorhandene Akku genügt.
- Ganzer Tag mit vielen Aufnahmen und Wiedergabe: ein Ersatzakku schafft Reserve.
- Viel Video, Serienaufnahmen, Blitz, WLAN oder GPS: der Bedarf steigt.
- Reise ohne verlässliche Steckdose: der Ersatzakku ist wichtiger als bei einem Städtetrip.
Ein einziger zuverlässiger Ersatzakku ist wirtschaftlich oft sinnvoller als eine Powerbank mit Ladegerät und mehreren Adaptern. Bevor du zukaufst, beobachte eine Woche lang, wie schnell der vorhandene Akku bei deiner üblichen Nutzung leer wird. Erst wenn er unter normalen Bedingungen deutlich an Laufzeit verliert, lohnt ein neuer Akku.
Akku bei Kälte warm tragen
Bei niedrigen Temperaturen sinkt die nutzbare Akkuleistung. Ein teilweise geladener Akku kann bei Kälte früher ausfallen, und die Kamera lässt sich vielleicht gar nicht starten. Das heißt nicht, dass der Akku kaputt ist: Nach dem Erwärmen zeigt er oft wieder einen Teil seiner Leistung. Auch die Anzeige kann bei Kälte deutlich niedriger wirken, obwohl der Akku seine Kapazität nicht verloren hat.
Der Ersatzakku gehört bei Kälte in eine geschlossene Innentasche, nicht ins Außenfach des Rucksacks. Den kalten Akku musst du nicht wegwerfen. Prüfe ihn später bei Raumtemperatur erneut. Erwärme den Akku nicht mit Heizgeräten, offenen Flammen oder improvisierten elektrischen Lösungen. Lade einen kalten Akku nur unter den Bedingungen, die das Handbuch nennt.
Akku unterwegs laden
Lade den Akku am Vorabend oder am Tag der Nutzung vollständig. Nach einer langen Foto- oder Videoetappe lass ihn erst abkühlen, bevor er ans Ladegerät kommt. Nimm nur ein Ladegerät oder eine USB-Stromquelle, die laut Handbuch zu Kamera oder Akku passt. Nicht jedes USB-C-Kabel, jedes Netzteil oder jede Powerbank funktioniert mit jeder Kamera. Nicht jede Kamera unterstützt USB-Laden. Prüfe die Ladeanzeige. Verbinde die Kamera nicht unbeaufsichtigt über viele Stunden mit einer unbekannten Stromquelle.
Die Hersteller geben für das Laden unterschiedliche Temperaturbereiche an. Sony gibt für mehrere Akkus 10 bis 30 Grad Celsius an, Nikon für ein konkretes Kamerasystem 5 bis 35 Grad. Diese Werte gelten für die jeweiligen Produkte, nicht für alle Kameras. Sie zeigen aber, dass Laden temperaturabhängig ist.
Akkus sicher ins Handgepäck
Bei Flugreisen gehören Kamera und Ersatzakkus ins Handgepäck. Lose Ersatzakkus gehören niemals ins aufgegebene Gepäck. Schütze die Kontakte einzeln gegen Kurzschluss, zum Beispiel mit der Originalabdeckung, einer separaten Akkuhülle oder einer geeigneten Schutzhülle. Nimm beschädigte, aufgeblähte, undichte oder zurückgerufene Akkus nicht mit. Wenn du das Handgepäck am Gate doch aufgeben musst, nimm Ersatzakkus und Powerbanks vorher heraus.
Die US-Luftfahrtbehörde FAA erlaubt lose Lithium-Ionen-Akkus bis 100 Wattstunden üblicherweise im Handgepäck. Akkus über 100 bis 160 Wattstunden brauchen in der Regel die Genehmigung der Airline. Über 160 Wattstunden sind für Passagierflugzeuge nicht zugelassen. Für größere Ersatzakkus zwischen 101 und 160 Wattstunden gilt bei der FAA eine Grenze von zwei Stück pro Person mit Genehmigung. Du kannst die Wattstunden berechnen, wenn die Angabe nicht auf dem Akku steht: Volt mal Amperestunden. Bei Milliamperestunden teilst du vorher durch 1.000. Die Rechnung funktioniert nur mit verlässlichen Angaben vom Akku oder aus dessen Unterlagen.
Fluggesellschaften dürfen strengere Grenzen festlegen. Die Regeln ändern sich. Prüfe vor dem Abflug die Vorgaben der konkreten Airline und des Abfluglandes. Powerbank-Regeln gelten nicht automatisch für Kameraakkus. Es sind zwei verschiedene Produktgruppen.
Gewohnheiten, die den Akku schonen
Ein paar Gewohnheiten helfen unabhängig vom Kameramodell:
- Vor der Abfahrt Kamera einschalten, Akkuanzeige prüfen, Auslöser und Ladegerät kontrollieren.
- Akkus beschriften, damit du ältere und neue nicht verwechselst.
- Den vollen Ersatzakku nicht lose mit Münzen, Schlüsseln oder anderem Metall in derselben Tasche tragen.
- Nicht nur auf die Prozentanzeige vertrauen, denn bei Kälte und hoher Belastung sinkt sie schneller.
- Einen Akku mit auffälliger Hitze, Verformung, Rauch, Geruch oder Beschädigung nicht weiter nutzen und nicht selbst reparieren.
- Nach der Reise den Akku aus der Kamera nehmen und trocken lagern, denn Kamera und Ladegerät ziehen auch im ausgeschalteten Zustand geringe Mengen Strom.
- Vor dem nächsten Einsatz rechtzeitig nachladen, denn auch ungenutzte Akkus verlieren mit der Zeit Ladung.
Bei längerer Lagerung gilt: Beachte das Handbuch, lagere den Akku nicht jahrelang völlig leer und prüfe regelmäßig Zustand und Ladung. Eine allgemeine Entladepflicht gibt es nicht. Die Empfehlungen der Hersteller unterscheiden sich.